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Dreizehntes Kapitel.
Vom Denkbaren oder Möglichen und den Schlüssen, welche ein solches
enthalten.
Nun wollen wir von dem Denkbaren (Möglichen, Problcmati-schen)reden, wann, wieund unter welchen Bedingungen dabei ein Schlussmöglich ist. Unter „denkbar sein" und „denkbar" verstehe ich das,was nicht nothwendig ist, was aber als seiend gesetzt werden kann, ohnedaß deßhalb etwas Unmögliches sich ergibt; von demNothwendigen sagenwir nemlich, daß es denkbar sei, nur in homonymer Weise *>. Daß dieeben gegebene Bestimmung des Denkbaren richtig ist, wird klar aus deueinander gegenüberstehenden Bejahungen und Verneinungen, denn dieAusdrücke „es ist nicht denkbar, daß cs sei" und „es ist unmöglich, daßes sei" und „es ist nothwendig, daß es nicht sei", sind, wenn nicht iden-tisch, doch nahe mit einander verwandt, also auch die ihnen gegenüberste-henden Ausdrücke „es ist denkbar, daß es sei, — es ist nicht unmöglich,daß es sei, — es ist nicht nothwendig!, daß es nicht sei". Denn vonjeglichem gilt die Bejahung oder die Verneinung. So wird also dasDenkbare nicht nothwendig und das nicht Nothwendige denkbar sein.— Es ist nun weiter zu bemerken, daß alle Sätze, welche das Denk-bare zum Inhalt haben, sich mit einander vertauschen und umkehrenlassen. Ich meine nicht die bejahenden mit den verneinenden Sätzen,sondern die, welche — als entgegengesetzt — eine bejahende Formhaben, nemlich: „es ist denkbar, daß es sei" mit dem Satz: „es istdenkbar, daß es nicht sei" und „es ist denkbar, daß es allem zukommt",mit den Sätzen: „es ist denkbar, daß es keinem, resp. nicht allem zu-kommt", und: „es ist denkbar, daß es einigem zukommt", mit demSatz: „es ist denkbar, daß es nicht einigem zukommt", und ebenso auchsonst. Da nemlich das Denkbare nicht nothwendig ist, das nicht Nolh>wendige aber möglicherweise nicht ist, so ergibt sich hieraus, daß, wennes denkbar ist, daß dem L zukomme, es auch denkbar ist, daß es ihmnicht zukomme, und wenn es denkbar ist, daß es allem zukomme, so ist
*) Das Nothwendige ist auch denkbar, aber es ist dietz nicht allein, das Denk-bare ist nur mttgesetzt mit dem Nothwendige», letztere» geht im Denkbaren nicht auf.