Urtheile betrifft, so wird der Ausdruck „problematisch" (denkbar) inmehrfachem Sinn gebraucht; wir nennen nemlich problematisch (denk-bar) das Nothwendige, sodann das nicht Nothwendige und das an sichMögliche. Bei den bejahenden Urtheilen dieser Art wird es sich nunhinsichtlich der Umkehrung durchaus ähnlich verhalten. Wenn nemlichL. dem ganzen L oder einigem L in denkbarer Weise zukommt, so wirdauch 6 einigem in denkbarer Weise zukommen, wäre dieß nicht, sowürde auch L. keinem 6 zukommen; dieß ist ja oben gesagt worden.Bei den verneinenden Urtheilen aber ist es nicht ebenso, vielmehr: wowir etwas als denkbar bezeichnen in dem Sinn, daß es nothwendigist oder daß es nicht nothwendig ist'), da ist es ebenso, z. B. wennman sagt: es ist denkbar, daß der Mensch nicht ein Pferd ist, oder daßdas Weiße keinem Kleid znkommt. Rehmen wir diese beiden Sätze, soist das im ersten Ausgesagte nothwendig nicht, das im zweiten Ausge-sagte ist nicht nothwendig, und hier läßt sich nun das Urtheil ebensoumkehren, wie bei den andern Arten; denn wenn es denkbar ist, daßkeinem Menschen der Begriff „Pferd" zukommt, so ist es auch möglich,daß keinem Pferd der Begriff „Mensch" zukommt, und wenn es mög-lich ist, daß das Weiße keinem Kleid zukommt, so ist cs auch möglich,daß das Kleid keinem Weißen zukommt, denn wenn das Kleid noth-wendig einem Weißen zukommt, so wird auch das Weiße nothwendigeinem Kleid zukommen, wie dieß oben gesagt worden ist. Und ebensoist es bei dem partikulär verneinenden Urtheil.
Wenn man aber von Denkbarem spricht im Sinn des Gewöhn-lichen und des von Natur so Seienden — entsprechend unsrer Defi-nition des Denkbaren — so wird es hier nicht ebenso sein mit derUmkehrung der verneinenden Urtheile, sondern das allgemein vernei-nende Urtheil läßt sich nicht umkehren. Dieß wird an der Stelle klarwerden, wo wir von dem Denkbaren reden 2). Für jetzt wollen wiraußer dem schon Gesagten nur so viel seststellen, daß das Urtheil: esist denkbar, daß das und das keinem zukommt, oder daß eS einemnicht zukommt, zu den bejahenden Figuren gehört; denn das „cs istdenkbar" steht gerade so wie das „ist", das „ist" aber bewirkt, wo es
>) Entspricht den zwei ersten oben genannten Bedeutungen des Problematischen.2) K. IS, 17.