Druckschrift 
5 (1891) Schrift über die Seele, Organon
Entstehung
Seite
68
Einzelbild herunterladen
 

beziehen aus das mögliche Sein und auf das unmögliche Sein, aus dasdenkbare (zulässige) und undenkbare Sein, auf das Mögliche und Nolh-rvendige; denn in dieser Beziehung gibt cs verschiedene Schwierig-keiten.

Wir gehen von der Annahme aus, daß von miteinander verbun-denen Gegensätzen immer diejenigen einander widersprechen, welche ausdas Sein und Nichtsein sich beziehen; z. B. von dem Satz: der Menschist, ist die Verneinung: der Mensch ist nicht, nicht aber: der Nicht-Mensch ist, und von dem Satz: der Mensch ist weiß, ist die Vernei-nung: der Mensch ist nicht weiß, nicht aber: der Mensch ist nicht-weiß.(Wenn nemlich die Bejahung und Verneinung von jeglichem Wortgälte, so wäre es am Ende richtig zu sagen: das Holz sei ein nicht-weißer Mensch.) Ist dieß aber so, so wird in den Sätzen, in welchenist" nicht ausdrücklich dasteht, dieselbe Wirkung hervorgebracht wer-den durch dasjenige, was an der Stelle desSein" steht, z. B. vondem Satz: der Mensch geht, ist die Verneinung nicht: der Nicht-Menschgeht, sondern: der Mensch geht nicht; denn es macht ganz und garkeinen Unterschied, ob ich sage: der Mensch geht, oder: der Mensch istgehend. Sind nun diese Voraussetzungen richtig, so wird die Conse-quenz sein, daß auch von dem Satz: es ist möglich zu sein, die Vernei-nung ist: es ist möglich nicht zu sein ^), nicht aber: es ist nicht mög-lich zu sein. Nun scheint aber das Sein und das Nichtsein ganz dasgleiche zu bedeuten; denn wenn es möglich ist, daß etwas zerschnittenwird oder geht, so ist es auch möglich, daß es nicht geht und nicht zer-schnitten wird. Der Grund hievon liegt darin, daß alles, was ausdiese Weise möglich ist, nicht immer thätig, aktuell ist, so daß ihm auchdie Verneinung zukommen kann, denn was fähig ist zu gehen, kannmöglicherweise auch nicht gehen, und was gesehen werden kann, kannmöglicherweise auch nicht gesehen werden. Allein es ist doch unmöglich,daß die widersprechenden Behauptungen von Einem und demselben inrichtiger Weise ausgesagt werden, also kann von dem Satz: es ist mög-lich zu sein, die Verneinung nicht sein: es ist möglich nicht zu sein.Denn hievon wäre die Folge, entweder daß man ebendasselbe von eben-demselben zu gleicher Zeit verneint und bejaht, oder daß die Bejahung

') Sofern nemlich die Negation zu Sein zu setzen ist.