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5 (1891) Schrift über die Seele, Organon
Entstehung
Seite
60
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das; zwar das eine wahrscheinlicher und gewöhnlicher ist, immer abermit dem Vorbehalt, daß auch das andere möglicherweise geschehen kannanstatt des ersteren.

Daß nun das Seiende ist zu der Zeit, wo es ist, und daß dasRichtseiende nicht ist zu der Zeit, wo es nicht ist, ist allerdings noth-wendig; allein damit ist noch nicht die Nothwendigkeit gegeben, daßdas Seiende überhaupt sei oder das Nichtseiende überhaupt nicht sei ').Denn der Satz: das Seiende ist immer mit Nothwendigkeit dann,wann es ist, ist nicht identisch mit dem Satz, daß das Seiende schlecht-hin mit Nothwendigkeit sei. Und ebenso ist es dann auch beim Nicht-seienden. Dasselbe Verhältniß wiederholt sich beim Widerspruch. Daßalles entweder sei oder nicht sei, ist nothwendig, ebenso daß es seinwird oder nicht sein wird, allein man kann deßwegen nicht bestimmtsagen, welches von beiden, ob das eine oder das andere nothwendigsei. Ich meine z. B.: es ist zwar nothwendig, daß morgen eine See-schlacht sein wird oder nicht sein wird, allein es ist deßwegen nicht noth-wendig, daß morgen eine Seeschlacht sei und ebenso wenig daß sie nichtsei, mir das ist nothwendig, daß sie entweder sei oder nicht sei. Dasich nun aber die Behauptungen ganz ebenso verhalten, wie die Dinge,so ist klar, daß bei denjenigen Dingen, welche sich so verhalten, daß,mag das eine oder das andere sein, doch auch je das Gegentheil mög-lich ist, daß es hiebei auch mit dem Widerspruch dieselbe Bewandt-niß haben muß. Dieß ist nun also der Fall bei demjenigen, was nichtimmer ist oder nicht immer nicht ist. In diesem Fall also muß noth-wendig das eine Glied des Widerspruchs wahr sein oder falsch, alleinnicht nothwendig bestimmt dieses oder jenes, sondern beliebig das eineoder das andere, und es kann zwar das eine Glied mehr wahr sein,allein doch nicht unmittelbar wahr oder falsch. Also ergibt sich klar,daß bei Bejahung und Verneinung nicht nothwenig immer das eineoder das andere Glied des Widerspruchs wahr, resp. falsch sei, dennmit deni, was nicht ist, aber sein oder nicht sein kann, verhall eS sichnicht ebenso, wie mit dem, ivas wirklich ist, sondern in der dargelegtenWeise.

') lieber die Nothwendigkeit des Seienden entscheidet eben erst das wirklicheSein; man kann nie sagen, daß etwas nothwendig sein wird, ehe es wirklich ist.