Druckschrift 
5 (1891) Schrift über die Seele, Organon
Entstehung
Seite
55
Einzelbild herunterladen
 

55

meines, aber das Urtheil ist nicht in allgemeiner Weise ausgesprochen;denn der Beisatzjeder" bezeichnet nicht den allgemeinen Charakter desSubjekts an sich, sondern daß es allgemein ') zu nehmen ist. Wennaber das Ansgesagte ein Allgemeines ist, so ist es nicht richtig, es inallgemeiner Weise auszusagen, denn keine Bejahung wird wahr sein,in welcher das Ausgesagte ein Allgemeines ist und in allgemeinerWeise ausgesagt wird, wie z. B. in dem Satz: jeder Mensch ist jedesThier.

Ich sage nun, daß die Bejahung der Verneinung in wider-sprechender Weise (contradictorisch) gegenübersteht, wenn die ersteredas Allgemeine bezeichnet und die letztere dasselbe als nicht allgemein;z. B.: jeder Mensch ist weiß, nicht jeder Mensch ist weiß, keinMensch ist weiß einige Menschen sind weiß; entgegengesetzt (con>lrär) aber sind die Bejahung des Allgemeinen und die Verneinung desAllgemeinen, z. B. jeder Mensch ist gerecht kein Mensch ist gerecht.Daher ist es nicht möglich, daß diese Sätze zugleich wahr sind, dagegendie ihnen gegenüberstehenden können möglicherweise in Beziehung aufebendasselbe wahr sein, z. B.: nicht jeder Mensch ist weiß, und einigeMenschen sind weiß. Wenn nun widersprechende Behauptungen vomAllgemeinen in allgemeiner Weise ausgesprochen sind, so muß nolh-wendig die eine wahr oder falsch sein, so wie auch bei den auf's ein-zelne sich beziehenden wie z. B.: Sokrates ist weiß, Sokrates ist nichtweiß; wenn aber die widersprechenden Behauptungen zwar auf dasAllgemeine sich beziehen, aber nicht in allgemeiner Weise ausgesprochensind, so ist nicht immer die eine wahr, die andre falsch. Denn mankann ganz wohl zu gleicher Zeit sagen: der Mensch ist weiß, und: derMensch ist nicht weiß, der Mensch ist schön, und: der Mensch ist nichtschön. Denn wenn er häßlich ist, so ist er ebendamit nicht schön, undwenn er etwas wird, so ist er es eben damit nichts. Man könnte eszwar im ersten Augenblick für widersinnig halten, weil der Satz: derMensch ist nicht weiß, identisch zu sein scheint mit dem Satz: kein

Nemlich auch dem Umfang nach.

2) Die beiden Satze müssen, wie gleich gesagt wirb, nicht aus dasselbe Sub-jekt, und wenn auch auf dasselbe Subjekt, doch nicht auf dieselbe Zeit bezogenwerden.