Druckschrift 
5 (1891) Schrift über die Seele, Organon
Entstehung
Seite
54
Einzelbild herunterladen
 

64

und endlich das Nichtseiende als nicht seiend; was sich dann auchwiederholt bei den übrigen Zeiten, abgesehen von der Gegenwart;und demgemäß wird es möglich sein, auch das zu verneinen, waseiner bejaht, und zu bejahen, was einer verneint hat. Somit ist klar,daß jeder Bejahung eine Verneinung gegenübersteht und ebenso jederVerneinung eine Bejahung. Und dich nennen wir (contradictorischen)Gegensatz, wenn Bejahung und Verneinung einander gegenüberstehen.Bei diesem Gegensatz aber muß dasselbe von demselben bejaht und ver-neint sein, nicht aber in bloß homonymer Weise*) und entsprechendden sonstigen Bestimmungen, welche wir in diesem Punkt ausstellengegenüber den sophistischen Spitzfindigkeiten.

Siebentes Kapitel.

Quantität der Urtheile. Entgegensetzung.

Die Dinge sind theils etwas allgemeines, theils etwas einzelnes;unter allgemeinem verstehe ich das, was seiner Natur nach von meh-reren ausgesagt wird, unter einzelnem das, was nicht; z. B. Menschgehört zum allgemeinen, Kallias zum einzelnen. Daraus ergibt sichnun, daß nothwendig bald vom allgemeinen, bald vom einzelnen be-hauptet wird, daß ihm etwas zukomme oder nicht zukomme. Wenn nunvom Allgemeinen in allgemeiner Weise ausgesagt wird, daß ihm etwaszukomme oder nicht zukomme, so werden die Urtheile einander (contrür)entgegengesetzt sein. Darunter daßvom Allgemeinen etwas in allge-meiner Weise ausgesagt wird" verstehe ich z. B. Sätze wie: jederMensch ist weiß, kein Mensch ist weiß. Wird aber etwas zwar voneinem Allgemeinen ausgesagt, aber nicht in allgemeiner Weise, so sinddie Urtheile einander nicht entgegengesetzt, das jedoch, was darin be-zeichnet wird, kann möglicherweise einen Gegensatz bilden. Darunterdaßetwas zwar vom Allgemeinen ausgesagt wird, aber nicht in all-gemeiner Weise" verstehe ich Sätze wie: der Mensch ist weiß, derMensch ist nicht weiß"*), nemlichder Mensch" ist an sich etwas Allge-

*1 S. Kategorien o I.

2) Ein Gegensatz würde entstehen, wenn man diese beiden Urtheile z. V. aufdieselben Subjekte und aus dieselbe Zeit beziehen würde.