Lehre vom sprachlichen Ausdruck.
Erstes Kapitel.
Die Aufgabe im allgemeinen. Grund des Wahren und Falschen.
Die erste Aufgabe ist hier, festznstellen, was man zu verstehen hatunter Nomen und Verbum'), sodann was unter Bejahung und Ver-neinung, unter Urtheil und Aussage.
Alles, was durch die Sprache ausgcdrllckt wird, ist ein gewissesZeichen dessen, was in der Seele vorgeht, und das, was geschriebenwird, ist wieder ein Zeichen dessen, was durch die Sprache ausgedrücktwird. Wie nun nicht Alle ein eine und dieselbe Schrift haben, so sindauch die Sprachen nicht überall dieselben; dagegen das, was in derSeele vargeht, wofür die Schrift ursprünglich das Zeichen ist, das istbei Allen dasselbe und die Dinge, wovon jene Vorgänge die Abbildersind, sind ebenfalls dieselben. Hierüber nun haben wir in der Schriftvon der Seele uns näher ausgesprochen, es gehört dieß in ein anderesKapitel.
Wie nun aber in der Seele bald ein solcher Gedanke ist, mitwelchem keine Behauptung des Wahren oder Falschen verbunden ist,bald aber auch ein solcher, welchem nothwendig das eine oder anderezukommen muß, so ist es auch in der Sprache: denn die Verbindungund Trennung^) ist es, worauf das Falsche und das Wahre beruht.Nimmt man nun Subjekt und Prädikat jedes allein für sich, so ent-spricht dieß den Gedanken ohne Verbindung oder Trennung, wie wenn
i) Ueber die Bedeutung von und s. Schümann, die Lehre der
Alten von den Redetheilen S. 1 ff. Wenn durch Verbum übersetzt wird,
so ist darunter auch das mit Lopula verbundene Adjektiv zu verstehen.
2> D. h. Bejahung und Verneinung,
Aristoteles, Organon,
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