Druckschrift 
5 (1891) Schrift über die Seele, Organon
Entstehung
Seite
41
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Am ehesten möchte Wahr und Falsch noch seine Stelle finden bei demEntgegengesetzten, welches in verbundener Weise ansgesagt wird; dennwenn ich sage: Sokrates ist gesund, so ist diese Anssage entgegengesetztder Anssage: Sokrates ist krank. Allein nicht einmal in diesem Fallist es nothwendig, das; immer das eine wahr, das andere falsch sei.Wenn nemlich Sokrates wirklich ist, so wird das eine wahr, das an-dere falsch sein, wenn aber Sokrates nicht wirklich i st, so wird beidesfalsch sein, denn weder daß Sokrates krank ist, noch daß er gesund ist,ist wahr, wenn Sokrates selbst gar nicht ist. Bei Beraubung und Ha-ben aber ist, wenn das Subjekt gar nicht ist, keines von beiden wahr,ist aber das Subjekt, so ist nicht immer das eine wahr, das anderefalsch; denn daß Sokrates ein Gesicht hat, steht gegenüber der Aus-sage, daß Sokrates blind ist in der Weise von Haben und Beraubung;und wenn nun Sokrates ist, so ist nicht nothwendig, daß das einewahr oder falsch sei denn solang er seiner Natur nach noch nichthaben kann, ist beides falsch, ist aber Sokrates überhaupt nicht,so ist auch in dieseni Fall beides falsch, sowohl das, daß er ein Gesichthat, als auch das, daß er blind ist. Dagegen bei der Bejahung undVerneinung muß immer mag nun das Subjekt wirklich sein odernicht das eine wahr sein, das andere falsch. Denn was die Aus-sagen betrifft: Sokrates ist krank, und: Sokrates ist nicht krank, so istklar, daß, wenn Sokrates wirklich ist, die eine von beiden Aussagenwahr ist oder falsch, ebenso ist es aber auch, wenn Sokrates nicht wirk-lich ist; denn wenn er nicht ist, so ist die Aussage: er ist krank, falsch,wahr aber ist die Aussage: er ist nicht krank. Woraus sich also ergibt,daß dieß die einzige Art von Gegenüberstellung ist, welcher das eigen-thümlich zukommt, daß immer das eine der beiden Glieder wahr oderfalsch ist, und dieß gilt bei allem, was als Bejahung und Verneinungeinen Gegensatz bildet.

Elftes Kapitel.

Vom (conträr) Entgegengesetzten.

Entgegengesetzt ist nothwendig das Schlechte dem Guten, dießwird klar durch die ins einzeln gehende Jnduction; so ist z. B. dieKrankheit entgcgengesetztder Gesundheit, die Feigheit der Tapferkeit u. s. f.