Druckschrift 
5 (1891) Schrift über die Seele, Organon
Entstehung
Seite
113
Einzelbild herunterladen
 

113

ist das letztere nicht leidend und erfährt keine Beränderung'). Esist also dieß eine andere Art von Bewegung; denn während dieBewegung sonst Aktualität eines Unvollendeten ist, ist die schlecht-hinige Aktualität des Vollendeten anderer Art.

Das Wahrnehmen nun läßt sich vergleichen mit dem ein-fachen Sagen und Denken; sobald aber etwas angenehm oder-unangenehm ist, so thut die Seele gleichsam eine Behauptungoder eine Verneinung, d. h. sie begehrt oder verabscheut, und sobesteht das sich freuen oder betrübt sein darin, daß sie vermittelstder wahrnechmenden, ausgleichenden Mitte aktuell wird im Ver-hältnis; zum Guten und Schlechten als solchem^). Und das Ver-abscheuen und Begehren besteht eben hierin, aktuell gedacht, undes sind die Organe des Begehrens und Verabscheuens weder untersich selbst verschieden, noch von dem Organ der Wahrnehmung,nur das Sein ist ein anderes ^). Der reflektirenden Seele aberkommen die Vorstellungen zu in ähnlicher Weise wie die Wahr-nehmungen. Wenn nun etwas gut oder schlecht ist, so begehrtsie es entweder oder sie verabscheut es. Darum denkt die Seelenie ohne Vorstellung^). Wie aber die Luft die Pupille so oderso macht, und diese wieder ein Anderes, so ist es auch beim Gehöru. s. f.; das letzte Endziel aber ist eins und dasselbe, und eins istauch die Vermittlung, aber das Sein ist nicht immer dasselbe ^).

Wodurch aber unterscheidet das Denken, worin sich Süßund Warm von einander unterscheiden? Diese Frage ist schonfrüher erörtert worden, wir wollen aber noch einmal davon sprechen.ES ist nemlich ein Einheitliches vorhanden, einheitlich so wie auchder Punkt und überhaupt die Definition es ist. Und das ge-

t) Sofern diese Aktualisirung Entwicklung des Wesens ist.

2> Das Denken ist filr gut und schlecht die reslektirte Einheit und Ausgleichungund kann von hier ans durch Vergleichung beurtheilen, ob etwas gut oder schlecht ist.

5) Begehren und Verabscheue» haben den gleichen Ursprung, wenn sie auchlos Aeußerungen verschieden sind.

Von gut oder schlecht.

5) Der Sinn ist etwa der: die Luft wirkt auf die Sinne und die Sinne ausdie Seele, so daß schließlich immer ein Begehren oder Verabscheuen herbetgesührtwird durch Vermittlung der Sinne, aber so, daß diese Sinn« tn> einzelnen untersich verschieden sind.

Aristoteles' Schrift über die Seele.

8