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5 (1891) Schrift über die Seele, Organon
Entstehung
Seite
109
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dem, was ohne Materie ist, ist das Denkende und das Gedachteeins und dasselbe, das rein betrachtende Wissen und das in dieserWeise Gewußte sind identisch. (Dabei ist freilich die Ursache zuuntersuchen, warum man nicht immer so denkt.) Bei dem aber,was Materie hat, ist jedes, was Gegenstand des Denkens ist,nur der Potenz nach; woraus sich ergibt, daß dem Materiellennicht die Vernunft inwohnt (denn die Vernunft ist die immateriellePotenz solcher Dinge), dagegen der Vernunft selber muß dasDenkbare znkommen.

Fünftes Kapitel.

Die Vernunft als thätige und als leidende.

Da nun aber eigentlich in der ganzen Natur zu unterschei-den ist zwischen dem, was Materie ist für jede Gattung (dieß istdasjenige, was potenziell alles einzelne, bestimmte ist), und einemAndern, welches die Ursache und das Hervorbringende ist, sofernes alles hervorbringt (nach dem Verhältnis;, in welchem z. B. dieKunst zur Materie steht), so müssen diese Unterschiede auch in derSeele angenommen werden. Es ist also die Vernunft theils einesolche, welche Alles wird, theils eine solche, welche Alles schafft,letzteres als eine Art von Haben, wie es beim Licht ist; denn ingewisser Weise macht auch das Licht, daß die potenziell vorhan-denen Farben aktuelle Farben werden. Und dieser schaffende Geistist getrennt von der Materie, keinem Leiden unterworfen und un-vermischt, er ist seinem Wesen nach Aktualität; immer ist ja dasWirkende und Schaffende edler als das Leidende, Bestimmbare,und das Princip ist edler als die Materie. Das aktuelle Wissenist aber identisch mit seinem Gegenstand, das potenzielle Wissendagegen ist der Zeit nach früher im einzelnen, im Ganzen aberauch der Zeit nach nicht früher; allein das Denken findet baldstatt, bald auch nicht'). Ist die Vernunft aber getrennt für sich,

>) Der Sinn dieses Satzes mag etwa sein! wie das »ltuelle Wissen stets mitseinem ikegenftand identisch ist, so hat auch die thiitige üiernunft ihren Inhalt stet?