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bar 0 sein, wohl aber fähig, die Form in sich aufzunehmen, siemuß der Potenz nach so und so sein, aber nicht schon ein be-stimmtes Dieses, und es muß sich die Vernunft zu ihrem Gegen-stand ähnlich verhalten wie das Sinnesorgan zu den Gegenstän-den der sinnlichen Wahrnehmung. Die Vernunft muß also, dasie alles denkt, unvermischt sein, wie auch Anaxagoras sagt: „umzu herrschen", d. h. um zu erkennen; sie hält nemlich das Fremd-artige, das sich neben dem Vernünftigen zeigt, ab und verschließtsich dagegen, so daß ihr also eigentlich gar keine bestimmte Naturzukommt, vielmehr ihr Wesen besteht eben darin, daß sie reinePotenz ist. So ist also der Theil der Seele, welchen man Ver-nunft oder Geist nennt (ich verstehe unter Vernunft den Theil,wodurch die Seele vernünftig denkt und begreift), nichts aktuellSeiendes, bevor sie wirklich denkt. Darum kann sie auch nichtmit dem Körper vermischt sein, denn sie würde dadurch irgendeine Qualität bekommen, sie würde kalt oder warm, oder würdesie gar ein Werkzeug, z. B. für das Sinnesorgan; so aber istsie gar nichts Wirkliches. Man hat daher ganz recht, wenn mansagt 2): die Vernunft sei der Ort der Ideen, nur ist dieß dahinzu beschränken, daß sie dieß ist nicht durchaus, sondern als den-kende, und daß die Ideen nicht aktuell, sondern potenziell in ihrsind. Daß aber das Nichtafficirtwerden beim Sinnesorgan einandres ist, als bei der Vernunft, ist klar, wenn man die Sinneund die sinnliche Wahrnehmung in's Auge faßt. Die Wahrneh-mung nemlich wird unmöglich bei dem in besonders starkem GradWahrnehmbaren, z. B. sie nimmt den Schall nicht wahr, wenner zu stark ist, Gesicht uud Geruch sind nicht mehr möglich, wodie Farbe oder der Geruch zu stark sind; dagegen bei der Ver-nunft ist cs anders: wenn sie etwas denkt, was ganz besonders
*) Wenn die Rede logisch sein soll, so muß in irgend einer Weise
besonders premirt werden, wohl so, daß Arist. sagen will, die Vernunft könne inihrem eigentlichen Wesen nicht verändert werden; hiemit stimmt auch die Anführungdes AnaxagoraS, welcher aus der Einfachheit des Geistes die Unveränderlichkeit,«TrttFLt«. ableitet. UebrigenS ist der Ausspruch des Anax. allgemein zu nehmen,die Deutung deS als ist von Arist. S. Zeller I' SV3 f. (679).
2) Platonische Lehre.