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Seele die längste Zeit. Es müssen also, wie Einige behaupten,die Erscheinungen alle wahr sein '), oder wenn Jrrthum wäre,so müßte er die Berührung des Ungleichartigen sein, denn diesessteht der Erkenntniß des Gleichartigen durch das Gleichartigegegenüber. Dann aber scheinen der Jrrthum und die Erkenntnißdes Entgegengesetzten identisch zu sein^).
Soviel ist also klar, daß Wahrnehmen und Erkennen nichtidentisch sind; das eine kommt ja allen Thieren zu, das andereaber nur wenigen. Aber auch vom Denken, in welchem das rich-tige und unrichtige Denken enthalten ist (das richtige Denkennemlich ist Erkennen, Wissen und wahre Meinung, das unrichtigedas Gegentheil davon), auch vom Denken läßt sich nicht sagen,daß es mit dem Wahrnchmen identisch sei. Die Wahrnehmungdes jedem Sinn Eigentümlichen ist nemlich immer wahr undkommt allen Thieren zu, das Denken aber kann auch falsch seinund kommt keinem Wesen zu außer den vernünftigen. Die Ein-bildungskraft ist nemlich verschieden von Denken und Wahrneh-mung; die Einbildungskraft ist nicht ohne Wahrnehmung undohne Einbildungskraft ist keine Vorstellung. Daß aber die Ein-bildungskraft nicht identisch ist mit Denken und Vorstellen (Mei-nen), ist klar. Denn das Einbilden ist eine Affektion, welche inunserer Macht liegt, so bald wir wollen (denn es ist ein sich vorAugen halten, gerade wie man in der Mnemonik sich die Dingeordnet und Bilder dazu macht), das Meinen dagegen ist nichtvon uns abhängig, denn es ist entweder ein falsches oder einwahres Vorstellen ^). Ferner, wenn wir etwas Schreckliches,Furchtbares meinen, so werden wir dabei selbst irgendwie afficirt,und ebenso wenn wir etwas Zuversicht Erweckendes meinen; da-gegen bei der Einbildungskraft ist es gerade, wie wenn wir aufeinem Gemälde etwas Schreckliches oder Zuversicht Erweckendesbetrachten. Es sind nun aber auch in der Vorstellung selbst
') Wenn sie ja nichts von Jrrthum sagen.
2) Jrrthum wäre also eine Erkenntniß, was ein Widerspruch ist.
6) D. h. es muß sich nach de» Gegenständen richten, und ist, je nachdem esdicß thut oder nicht, wahr ober falsch. Die Einbildungskraft aber ist frei undunabhängig von de» Gegenständen.