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5 (1891) Schrift über die Seele, Organon
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Unterschiede, nemlich Wissen, Meinen, Erkennen und das Gegen-theil davon, wovon aber ein andermal die Rede sein soll. Wasaber das Denken betrifft, so ist es verschieden vom Wahrnehmen,und es scheint in sich zu begreifen die Einbildungskraft und dieVorstellung; zunächst wollen wir nun den Begriff der Einbildungs-kraft feststellen, ehe wir vom Andern reden.

Ist also die Einbildungkraft das Vermögen, durch das unsein Bild vorschwebt ein Unterschied vom bloßen bildlichenAusdruck in der Rede, so ist sie nicht *) eines von denjenigenVermögen, oder von denjenigen Zuständen, wornach wir unter-scheiden und zwar wahrheitsgemäß oder falsch. Solcher Art sinddie Wahrnehmung, das Meinen, das Wissen, der Geist. Daßnun die Einbildungskraft nicht Wahrnehmung ist, wird durch fol-gende Betrachtung klar: Wahrnehmung ist entweder Potenz oderAktualität, wie Gesichtssinn und Sehen, Einbildungen aber habenwir auch, wenn keines von diesen beiden vorhanden ist, z. B. imSchlaf. Ferner: Wahrnehmung ist immer bei uns, Einbildungaber nichts. Wäre sie aber der Aktualität nach dasselbe wieWahrnehmung, so müßten alle Thiere Einbildung haben können,dieß scheint aber nicht der Fall zu sein, denn wenn sie auch z. B.der Ameise oder Biene zukommen mag, so doch nicht dem Wurm ^).Ferner: die Wahrnehmungen^) sind immer wahr, dagegen dieEinbildungen größtentheils falsch. Ueberdieß, wenn wir unsre an-gestrengte Aufmerksamkeit einem Gegenstand der Wahrnehmungzuwenden, so sagen wir gar nicht, das und das sei dasBild"eines Menschen, sondern wir gebrauchen diesen Ausdruck vielmehrdann, wenn unsre Wahrnehmung nicht so genau ist. Und wieschon oben bemerkt, Bilder zeigen sich auch, wenn man die Augengeschlossen hält. Andrerseits gehört die Einbildung auch nicht zudemjenigen, was immer wahr ist, sie ist also z. B. nicht einWissen noch Vernunft oder Geist, denn die Einbildung kann auch

'Trendelenburg vermuthet or/c)L,uttt.

2) Also ist sie nicht Wahrnehmung als Potenz.

6) Nach Torstrik: oror/ ls"or).

't) D. h. sie gehen auf einen objektiv vorhandenen Gegenstand, welchen sieals solchen auffassen.