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Drittes Kapitel.
Von der Einbildungskraft.
Da es nun zumeist zwei Merkmale sind, durch welche mandie Seele bestimmt, nemlich 1. Bewegung im Raum, 2. Unter-scheiden, Denken, Wahrnehmen, so fragt sich: ob das Denken unddas Wahrnehmen sich von einander unterscheiden. Man nimmtoft an, das Denken und Erkennen sei eigentlich eine Art vonWahrnehmen, sofern bei beiden Funktionen die Seele etwas vondem, was ist, unterscheidet und erkennt, und die Alten erklärendas Erkennen und das Wahrnehmen für identisch, wie z. B. Em-pedokles ') sagt:
„Je nach dem, was da ist, sa mehrt sich die Einsicht dem Menschen,"
und an einer andern Stelle:
„Drum stellt ja auch ihnenStets sich ein der Gedanken Verwandelung."
Denselben Gedanken hat auch Homer, wenn er sagt^):
„Solchergestalt ist das Denken."
Alle diese nemlich sehen im Denken etwas Körperliches, geradewie im Wahrnehmcn, und sie gehen von der im Anfang unsrerUntersuchung besprochenen Ansicht aus, daß man das Gleichartigedurch das Gleichartige erkenne und wahrnehme. Allein sie solltennun auch zugleich über den Jrrthum etwas sagen: dieser ist jaden Thieren noch mehr eigenthümlich und in ihm befindet sich die
*> Dasselbe citirt Ilstaxli. IV s, s. übrigens Zeller 1^ 650 s. (544):„Emped. nimmt zwar an, die Beschaffenheit des Denkens richte sich nach der je-weiligen Beschaffenheit des Körpers und wechsle mit derselben, — allein weit ent-sernt, der Wahrnehmung unbedingt zu vertrauen, verlangt er, daß wir ihr keinenGlauben schenken, um die Natur der Dinge statt dessen denkend zu erkennen, —und er erwartet für das Erkennen ungleich mehr von der Bernunft als von denSinnen." Arist. geht also in seinen Folgerungen, die er auf die Worte des Smped.baut, zu weit, was bei»,ihm nicht selten ist.
2) S. Od. IS, 18 », wo freilich kein derartiger Gedanke in den Worten liegtwie Arist. construirt,