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5 (1891) Schrift über die Seele, Organon
Entstehung
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eine allen Sinnen gemeinsame Wahrnehmung und zwar nicht bloßaccidentell, nicht bloß nebenbei; somit brauchen wir keinen besonder»Sinn für das Allgemeine anzunehmen; sonst würden wir (mit denfünf Sinnen) das Allgemeine nur in der eben genannten Weise,so wie wir den Sohn des Kleon sehen wahrnehmen können.

Was aber den Sinnen untereinander eigenthümlich zukommt'),das erkennen die Sinne zusammen in accidenteller Weise, nichtsofern jeder in seinem specifischen Wesen bleibt, sondern sofern siceine Einheit bilden, wobei denn die Wahrnehmung zugleich undgemeinsam auf denselben Gegenstand sich richtet, wie z. B. beider Wahrnehmung, daß die Galle bitter und gelb ist; es istnemlich nicht Sache des einen oder andern Sinnes, zu sagen, daßbeides Eins ist, was eine Täuschung zur Folge hätte, indem mandann meinen könnte, wenn etwas gelb sei, sei es Galle ^).

Mau könnte nun aber fragen, warum wir für das Allge-meine eine Mehrheit von Sinneswahrnehmungen haben und nichtbloß eine einzige. Wohl zu dem Zweck, daß das die speciellenWahrnehmungen Begleitende und Allgemeine deutlicher erkanntwerde, z. B. also Bewegung, Größe, Zahl; hätten wir nemlichnur einen einzigen Sinn, so würden wir es nicht so deutlich er-kennen und es könnte dann scheinen, als ob alles eins und das-selbe wäre, weil z. B. Farbe und Größe einander stets beglei-ten ^). Nun aber, da auch noch in einem andern Wahrnehmbarendas Allgemeine enthalten ist^), so wird hieraus klar, daß jedes,wie z. B. Farbe und Größe, ein besonderes ist.

1) So zu sagen das internationale Eigenthum der verschiedenen Sinne.

2) Arist. will sagen: bei Gegenständen, deren Wesen eine Synthese von ver-schiedenen Eigenschaften bildet, welche Gegenstand verschiedener Sinne sind, dürfen um dieses Wesen zu erkennen die Sinne nicht isolirt thätig sein, sondernwie jenes Wesen Eines ist, so muß auch die Wahrnehmung sämmtlicher Sinne zueiner Einheit Zusammengehen. Jeder einzelne Sinn für sich würde nur etwasMangelhaftes oder Falsches heransbringen, z. B. wenn der Gesichtssinn einseitigüber gelbe Galle urtheilen wollte, ohne auch den Geschmackssinn zu befragen, sokönnte er darauf kommen: alles, was gelb sei, sei Galle.

6) Das Gesicht, welches sich zunächst auf die Farbe bezieht, würde die Farbemit der Größe confundiren, die Größe nicht als solche anerkennen, dieß geschiehtalso durclt den Tastsinn, welcher dem Gesicht zu Hilfe kommt.

Und also auch Gegenstand eines andern Sinnes ist.