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5 (1891) Schrift über die Seele, Organon
Entstehung
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Zweites Kapitel.

Die Sinne sind auch ihr eigenes Objekt. Vom Gemeinsinn, dessenNothwendigkeit und Funktion.

Da wir nun wahrnehmen, daß wir sehen, hören u. s. w.,so ist nothwendig anzunehmen, daß wir entweder vermittelst desGesichtssinns wahrnehmen, daß wir sehen, oder vermittelst einesandern Sinnes. Allein im letzteren Fall würde doch derselbeSinn das Sehen und die dem Sehen als Gegenstand vorliegendeFarbe zum Gegenstand haben, woraus denn folgt, daß entwederzwei Sinne auf Einen und denselben Gegenstand sich bezögen '),oder aber daß der Sinn sich selbst zum Gegenstand hat. Zudem,wenn man noch einen anderweitigen Sinn annähme, welcher dasSehen wahrnehmen sollte, so müßte man in's Unendliche 2) gehen;kann man dieß aber nicht, so ist eben anzunehmen, daß jeder Sinnsich selbst wahrnimmt. Somit muß man eben beim ersten Sehenstehen bleiben. Dabei ist nun aber eine Schwierigkeit; verste-hen wir nemlich unter dem Sehen das Wahrnehmen vermittelstdes Gesichts und ist Gegenstand des Sehens die Farbe, oder daswas Farbe hat, so muß demnach wenn man das Sehendesehen soll eben dieses erste Sehende Farbe haben. Darausergibt sich nun, daß es nicht bloß Eine Art von Wahrnehmungvermittelst des Gesichts gibt, wie wir denn auch dann, wann wirnicht sehen 3), doch vermittelst des Gesichts Licht und Finsternißunterscheiden, nur ist dieß wieder eine besondere Art des Sehens.Sodann aber hat auch das Sehende gewissermaßen Farbe; dasSinnesorgan nemlich ist fähig, das wahrgenommene in sich auf-zunehmen, nur ohne die betreffende Materie. Daher kommt es

') D. h. das Sehen und das Sehen des Sehens hätten beide die Farbe znmGegenstand, elfteres unmittelbar, letzteres mittelbar. Allein da dieß nicht anzu-nehinen ist, so bleibt nur übrig anzunehmen, daß da? Sehen sich selbst, also über-haupt jeder Sinn sich selbst ivahrnchme.

2) Das Sehe» des Sehens würde selbst wieder nur durch ein drittes Sehenwahrgenommcn, dieses durch ein viertes u. s. s.

->) Im eigentlichen Sinn, d. h. Farbe wahrnehmen.