Druckschrift 
5 (1891) Schrift über die Seele, Organon
Entstehung
Seite
87
Einzelbild herunterladen
 

87

wahrnchmcn soll, keines von beiden aktuell sein darf, wohl aberbeides potenziell; (auch bei den übrigen Sinnen ist cs so;) sodarf auch der Tastsinn weder warm noch kalt sein, muß aberbeides sein können.

Wie nun ferner das Gesicht sich in gewisser Weise auf dasSichtbare und Unsichtbare bezieht, und ebenso die übrigen Sinneauf ihre betreffenden Gegenstände, so bezieht sich auch der Tast-sinn auf das Tastbare und das Untastbare; untastbar aber istsowohl dasjenige, was ein ganz geringes Merkmal des Tastbarenan sich hat, wie das bei der Luft der Fall ist, als auch das,was in sehr starkem Grad tastbar ist, wie das, was den Tast-sinn verderbt.

Hiemit ist denn jeder einzelne Sinn in der Hauptsache be-schrieben.

Zwölftes Kapitel.

Bon den Sinnen überhaupt.

Was nun die Sinne im allgemeinen betrifft, so ist zu mer-ken, daß der Sinn dasjenige ist, welches fähig ist, das betreffendeWahrnehmbare aufzunehmen, aber ohne die Materie, wie z. B.das Wachs das Zeichen des Siegelrings aufnimmt, ohne dasEisen oder das Gold, es nimmt das goldene oder eherne Zeichenans, aber nicht sofern es Gold oder Erz ist; in derselben Weisewird auch jeder einzelne Sinn von dem afficirt, was resp. Farbeoder Geschmack oder Schall hat, aber nicht sofern dieses letztereein Einzelnding ist, sondern sofern es die oder die Beschaffenheithat, und in Beziehung auf den Begriff >). Das Sinnesorganaber ist es zunächst, worin die betreffende Potenz ruht. Es istnun dieses Sinnesorgan zwar gewissermaßen eins und dasselbemit dem Sinn, aber das Wesen beider ist doch ein verschiedenes,

i) D. h. z. B. baS Ohr wird afficirt von dem, was Schall hat, ob aberdieses letztere etwas hölzernes, eisernes, schönes, häßliches ist, ist gleichgiltig, wennes nur die Beschaffenheit hat, daß eS Schall erzeugt,