58
der anf'S Angenehme gerichtet ist. — Ferner haben die ThiereWahrnehmung der Nahrung, denn dieß ist der Tastsinn; alleThiere ncmlich werden ernährt durch Trockenes und Nasses, War-mes und Kaltes, die Wahrnehmung dieser Dinge aber ist derTastsinn; durch die übrige« Dinge, welche Sinneswahrnehmungerregen, werden die Thiere nur in accidenteller Weise ernährt *),indem ja Geräusch, Farbe und Geruch nichts zur Ernährung bei-trägt. Der Geschmack'^) aber gehört zu dem, was dem Tastsinnunterliegt. Hunger und Durst sind Begierden und zwar ist derHunger Begierde nach Trockenem und Warmem, der Durst Be-gierde nach Kaltem und Nassem, der Geschmack aber ist so zusagen eine Würze dazu. Hierüber müssen wir später noch ein-gehender sprechen, für jetzt wollen wir nur so viel sagen, daßden Thieren, welche Tastsinn haben, auch Trieb zukommt. DieFrage hinsichtlich der Einbildung ist damit noch nicht entschieden,wir kommen später darauf zurück. — Einigen Thieren kommtaußerdem auch noch das Vermögen der örtlichen Bewegung zu,manchen auch das Vermögen zu denken, sowohl auf niederer alsauf höherer Stufe, letzteres als Geist oder Vernunft; dahin ge-hören die Menschen und sonst etwa existirende Wesen von ähn-licher Beschaffenheit oder auch aus einer noch höheren Sphäre.
Es ist nun klar, daß es einen Begriff der Seele geben kannin derselben Weise wie bei den mathematischen Figuren; soweniges nemlich in der Mathematik eine Figur gibt außer dem Dreieckund was sich daran anschließt, sowenig hier eine Seele außer denobengenannten. So kann es auch bei den Figuren einen allge-meinen Begriff geben, welcher auf alle paßt und doch keiner ein-'zelnen Figur eigenthümlich ist. Und ebenso auch bei den genann-ten Seelen. Deßwegen wäre es aber doch lächerlich, bei diesenund andern Dingen den allgemeinen Begriff zu suchen, welcherkeinem von den Dingen als eigenthümlicher Begriff zukäme und
D. h. Geräusch u. s. w. sind nur zufällige Momente und kommen nurin Betracht, sofern sie einem Trockenen u. s. w. angehören.
2) D. h. als Wahrnehmung, nicht als der Geschmackssinn, UebrigenS s»b-sumirt Artst. den Geschmackssinn unter den Tastsinn als eine Unterabtheilungdesselben.