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5 (1891) Schrift über die Seele, Organon
Entstehung
Seite
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rend das Denkende und Betrachtende selbst keinem Leiden unter-worfen ist. Das niedrigere Denken °) aber, das Lieben undHassen sind nicht Assertionen des Geistes, sondern desjenigen,welches den Geist in sich faßt, sofern es eben denselben in sichfaßt 2). Daher denn auch der Geist, wenn der Körper zu Grundegeht, weder sich erinnert noch liebt, weil dieß nicht Funktionen desGeistes waren, sondern des Gemeinsamen, welches nun dahin ist;der Geist selbst aber mag wohl etwas Göttlicheres und dem Lei-den Entnommenes sein.

Hieraus geht nun deutlich hervor, daß die Seele unmöglichbewegt werden kann, wenn sie aber überhaupt nicht bewegt wird,so wird sie offenbar auch nicht von sich selbst bewegt. Am ver-nunftwidrigsten aber von allen vorgcbrachten Ansichten ist diedaß die Seele eine Zahl sei, welche sich selbst bewege; dabei er-geben sich mancherlei Unmöglichkeiten, zunächst solche, welche ausder Bewegung entspringen, sodann ganz besonders solche, die ausder Behauptung, die Seele sei eine Zahl, sich ergeben; denn wiesoll man sich eine bewegte Monade denken? von was soll sie be-wegt werden, und wie, da sie doch untheilbar und unterschiedslosist? Denn wenn sie fähig zu bewegen und bewegt ist, so mußsie Unterschiede haben. Ferner wenn man sagt, die Linie, wennsie bewegt werde, mache eine Fläche, der Punkt aber, wenn erbewegt werde, mache die Linie, so wäre die Folge, daß die Be-wegungen der Monade Linien sein müßten, denn der Punkt isteine Monade, welche eine Lage hat, die Zahl der Seele aber istdoch irgendwo und hat eine Lage^). Ferner wenn man voneiner Zahl eine Zahl oder eine Einheit wegnimmt, so ist das,

1) Arist. unterscheidet und ckrocvokeirAat; das -/»klst- wie das

ist Sache des i-orlp, d. h. die Stufe des Denkens, wobei der Geist nurmit dem Höchsten sich beschäftigt; <kt«r-okiÄA«e dagegen ist die dem Mannigfalti-gen und Sinnlichen zugewendete, aus der Erfahrung sich entwickelnde Seite derDenkthätigkeit, die Stufe der Reflexion, des diskursiven Denkens. S. Zeller II. 2.S. 441.

2) D. h. nur dadurch, daß der Geist im Körper ist, kann der Körper solcheAfsektionen haben.

') Eine Ansicht, welche dem LenokrateS zugcschriebcn wird.

*) Somit würde die Seele eine Linie fein muffen.