Allem aber sinket nichts statt, wenn die beiden, Seele und Kör-per, sich nur zufällig zu einander verhalten. Sie versuchen dabeinur die Beschaffenheit der Seele zu erklären, über den Körperaber, welcher die Seele aufnehmen soll, wissen sie keine nähere Be-stimmung zu geben, als wäre es möglich, — wie es in den My-then der Pythagoreer dargestellt wird — daß eine beliebigeSeele in einen beliebigen Körper eingchen könnte, während dochoffenbar jeder Körper eine eigenthümliche Form und Gestalt hat.Es ist dies gerade, wie wenn man sagen wollte, die Baukunstgehe ein in Blasinstrumente; denn wie die Kunst ihre betreffen-den Werkzeuge gebrauchen muß, so die Seele den Körper^).
Viertes Kapitel.
Fortsetzung der Kritik, besonders in Beziehung aus die Lehre, daß dieSeele eine Harmonie sei, und auf die mathematischen Vorstellungen von
derselben.
Nun finden wir bei den früheren Forschern noch eine an-dere Theorie von der Seele, welche bei Vielen Anklang gefundenhat, so gut als irgend eine andre der bisher angeführten Auf-fassungen, und auch in den der Öffentlichkeit vorgelegten Be-sprechungen 3) dargelegt worden ist und so gewissermaßen Rechen-schaft hat geben müssen. Man bestimmt nemlich die Seele alseine Art von Harmonie; die Harmonie sei ja eine Zusammen-setzung und Vermischung von Entgegengesetztem und so besteheauch der Körper aus Entgegengesetztem. Allein wenn man auchdie Harmonie definiren kann als ein Verhältniß des Gemischtenoder als eine Zusammensetzung, so kann doch eine solche Besinn-
^ In ihrer Lehre von der Seelemvanderung.
2) D. h. sowenig die Baukunst ein Blasinstrument, eine Flöte, als Werkzeuggebrauchen kann, sondern einen Hammer, sine Axt und dgl., so kann auch dieSeele nicht den nächsten besten Körper gebrauchen, sondern nur einen solchen, derzu ihr paßt.
6) Darunter ist hinsichtlich der vorliegenden Theorie Plato's Phädon gemeint,s. das. p. S9 fs.