Unterschied übrigens nicht zur Klarheit durchgeführt wird. (III. 5.)Das Untheilbare, Einfache wird von der Vernunft in wahrerWeise erkannt, denn das Falsche liegt in der Zusammensetzungder Gedanken; so erfaßt der Geist, welcher von aller Materiefrei ist, die innerste Natur und Wahrheit, den reinen Begriff derDinge. (III. 6.) An das Wahre schließt sich die Werthschätzungder Dinge an als Begehren und Verabscheuen, zwei Akte, welche— begrifflich zusammengehörig — auf dem Gemeinstnn beruhen.Hiebei ist die Vorstellung auf das Zukünftige gerichtet und hatstets eine subjektive Beziehung; auf Grund dieser Vorstellung istder Seele etwas gut oder schlecht, was sie nun begehrt oder ver-abscheut. (III. 7.)
Faßt man Alles zusammen, so erscheint die Seele als dieForm aller Dinge, des Denkbaren und des Wahrnehmbaren.Wahrnehmung und Vorstellung liegen allem Denken zn Grund,aber nicht so, daß Denken und Wahrnehmen in sensualistischerWeise identisch zu nehmen wären. (III. 8.)
Eine noch übrige Frage ist die, was die Ursache der Orts-bewegnng ist. Es ist unrichtig, diese z. B. auf das ernährendeVermögen oder auf die Vernunft zurückzuführen; überhaupt hateine Theilung der Seele, wie z. B. in der Trichotomie Plato's,viel Bedenkliches; auch der niedere Trieb ist nicht als Ursacheanzunchmen (III. 9), vielmehr ist Ursache dieser Bewegung derTrieb überhaupt, sofern er theils im Einklang ist mit der prak-tischen Vernunft, theils nur auf der sinnlichen Wahrnehmung undBegierde beruht. Nur im ersten Fall ist sein Gegenstand daswirklich Gute. Der Trieb selbst aber ist bedingt durch seinenGegenstand, von welchem so die Bewegung ausgeht. Der Triebist nie ohne Vorstellung, die letztere bildet die Vermittlung zwi-schen dem Trieb und der vernünftigen Ueberlegung, resp. dersinnlichen Begierde. (III. 10.) Wo nun die Vörstellung und dasMeinen fehlt, wie bei den unvollkommenen Thieren, muß daherauch die Bewegung eine unbestimmtere sein. Im einzelnen istdas Verhältniß zwischen Trieb und Vernunft ein wechselndes, baldsiegt jener, bald diese, bald siegt auch ein Trieb über den an-