Sechstes Buch. Zweites Kapitel.
36t
Kli'sthenes ^ zur Stärkung der Demokratie in Athen anwandte unddie Gründer der Demokratie in Kyrene. Es gilt nämlich einerseits,andere Phylen und Phratrieen und zwar in größerer Zahl einzusetzen,und andererseits, die Privatkultvereine und Feste auf wenige und all-gemeine zu beschränken und überhaupt alles aufzubieten, um alleStände möglichst untereinander zu vermischen und die früheren altenGenossenschaften aufzulösen.
12. Endlich sind auch die früher besprochenen tyrannischen In-stitute insgesamt für diese Art der Demokratie geeignet, so z. B. diefreiere Stellung der Sklaven, — welche bis auf einen gewissen Gradnützlich sein dürfte, sowie der Frauen und Kinder, und die Nachsicht,die jedem stillschweigend gestattet, zu leben, wie er will. Denn durchdies alles wird eine solche Verfassung mächtig unterstützt, weil demgroßen Haufen ein unordentliches Leben viel lieber ist, als ein derZucht unterworfenes. o
Politieenwerke beschrieben, und wir haben noch einige Fragmente aus dieserPolitik, in welchen von dem kyrenischen Zeus, von den in Kyrene geschla-genen Goldmünzen, von der kostbaren SUlphiumpflanze und von der Grün-dung der Stadt durch Ba'ttus geredet wird.
8. Klisthencs besiegte nach dem Sturze der Pisistrati'den die sich wiedererhebende Adelspartei in Athen und traf dann seine Einrichtungen, der Demo-kratie den Sieg zu sichern. Er schaffte die vier alten Geschlechterstämme,die bisher die Grundlage der Verwaltung gewesen, ab und richtete dafürzehn neue Verwaltungsbezirke ein, die ebenfalls Phplen hießen. Diese zehnwaren einerseits groß genug, um die Anzahl der von ihm in die Bürger-schaft Neuaufgcnommcnen fassen zu können, andererseits ward dadurch ein neuerOrganismus der Verwaltung geschaffen, welcher den Einfluß des Adels, dendieser in den vier alten Distrikten geübt hatte, brach. Die Bevölkerung warduntereinander gemischt und so ein Teil derselben den altgewohnten Gefühlender Anhänglichkeit und Unterordnung unter die edlen Geschlechter, in derenNähe sie lebten, entzogen. Dies letztere hat Aristoteles mit dem Ausdruck„Zusammenleben" (auvpffei«) im Sinne. Im übrigen ist es wohl zu erwä-gen, daß man nach dieser Stelle doch schwer umhin kann, anzunehmen, daßKlisthenes außer den Phplen auch neue Geschlechterverbände für die vielenneuaufgcnommenen Bürger eingerichtet habe.
9. Aristoteles hat hier immer die empirische Wirklichkeit mit im Auge.Man muß sich also hüten, solche Urteile, wie das hier ausgesprochene, ab-solut zu nehmen.