Druckschrift 
4 (1895) Politik
Entstehung
Seite
334
Einzelbild herunterladen
 

334

Aristoteles, Politik.

seiner Tyrannenwürde, und der Tyrann haßt ihn als den Zerstörerseiner Herrschaft. Desgleichen zieht er zu seiner Tafel und zu demKreise seiner täglichen Gesellschaft lieber Fremde als Einheimische;denn diese betrachtet er wie seine Feinde, während jene keinen Grundhaben ihm entgegen zu treten. Dies und noch anderes derart sinddie Mittel des Tyrannen, mit ihnen erhält er sein Regiment; aberalle sind tief unsittlich.

8. Es läßt sich nun alles, was bisher über diesen Gegenstandmitgeteilt ist, in Kürze unter drei Gesichtspunkte bringen. DreiDinge nämlich strebt die Tyrannis zu bewirken, erstens: kleinmütigeGesinnung der Unterthanen (denn ein Kleinmütiger wagt keineEmpörung), zweitens: gegenseitiges Mißtrauen; denn so lange alses nicht Menschen gibt, die sich einander trauen, ist die Tyranneisicher. Daher sind denn auch die Tyrannen gegen jeden rechtschaffenenMann als einen Feind der Regierung auf dem Kriegsfuße, nicht bloßdarum, weil sich solche nicht despotisch beherrschen lassen wollen,sondern auch darum, weil sie unter sich und gegen andere auf Treuund Glauben halten und ebensowenig einander als überhauptjemand verraten. Drittens: Ohnmacht der Mittel; denn keinMensch unternimmt etwas, zu dessen Ausführung er sich ohnmächtigfühlt, also auch nicht den Sturz einer Tyrannis, wenn ihm dieMacht dazu fehlt?

9. Auf diese drei Punkte nun lassen sich die Absichten desTyrannen zurückführcn, und wird der angestellte Versuch, das gesamteThun desselben nach gewissen Hauptideeen zu gruppieren, immer dieZwecke ermitteln, deren erster gegenseitiges Mißtrauen, der zweiteOhnmacht, der dritte endlich Kleinmut bewirken soll.

10. Dies ist also die eine Art, wie sich die Tyrannen halten.Nach einer andern schlägt der Tyrann einen dem obigen gewisser-maßen ganz entgegengesetzten Weg ein. Man erlangt von diesemeine Vorstellung, wenn man sich erinnert, durch welche Ursachen dasKönigtum zu Grunde ging. Wie hier nämlich ein Grund seinesVerderbens darin bestand, daß der König seine Herrschaft zu einer

8. Diesen kleinen Abschnitt hat Montesquieu zu einem ganzenKapitel verarbeitet. Sein Hauptsatz ist: Die Furcht ist das Prinzip derdespotischen Regierung. S. Lsprit äss lois III, 9.