328
Aristoteles, Politik.
21. Als eine Art von Haß hat man auch den Zorn anzusehen,da er gewissermaßen zu denselben Thaten treibt. Za, er ist oft nochunternehmender, als der Haß, und entwickelt, da Leidenschaft sich aufkeine Überlegung einläßt, in seinem Angriff eine größere Energie.Seinen Aufwallungen verfallen die Menschen am meisten wegenerlittener Beschimpfung; und dies veranlaßte den Sturz der Herrschaftder Pisistratiden und vieler anderen. Der Haß dagegen reflektiertmehr, bei ihm wird die Überlegung durch das Gefühl des Schmerzes,das den Zorn begleitet, nicht leicht gestört, weil er ohne ein solchesSchmerzgefühl istZb Wir ziehe» demnach die Summe und behaupten:Alles was wir als Ursachen für den Sturz der strengsten undäußersten Oligarchie und der auf die Spitze getriebenen Demokratieaufgeführt haben, dies alles ist auch als Ursache für den Untergangvon Tyrannenherrschaften anzunehmen; denn die genannten Ver-fassungen sind ja eben auch Tyrannieen mit vielen Tyrannen.
22. Das Königtum erliegt am wenigsten den von außen heran dasselbe kommenden Ursachen, hält sich daher lange Zeit; dagegenerwächst ihm das Verderben meistenteils von innen heraus. SeinUntergang erfolgt in zwei Fällen: einmal, wenn die Mitglieder derköniglichen Familie selbst untereinander in Zwist geraten, und danndurch eine mehr despotische Tendenz der Regierung, die sich dadurchkundgibt, daß der König seine Machtbefugnis in Widerspruch mitdem Gesetz erweitern will. In unseren Tagen werden keine König-tümer mehr gebildet, sondern was derart etwa entsteht, sind vielmehrMonarchieen und Tyrannieen. Denn das Königtum ist einerseitseine von den Beherrschten freiwillig angenommene, andererseits einemit größeren Machtbefugnissen^ ausgestattete Herrschaft. Jetzt abergibt es sehr viele Gleiche, und keinen, der sich vor den übrigen der-gestalt auszeichnete, daß er auf eine so hohe Stellung im StaateAnspruch erheben könnte. Hierin liegt der Gnind, warum die Menschensich eine solche Herrschaft aus freien Stücken nicht mehr gefallen
23. Für die Einfachheit des antiken Bewußtseins allerdings; nichtso für uns.
24. Größeren als man, meint der Philosoph, heute bei der politischenEntwickelung der Menschen seiner Zeit den Regierenden einräumt.