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4 (1895) Politik
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Aristoteles, Politik.

8. Da aber auch schon durch die Lebensweise, wie sie einigePrivaten führen, Neuerungen im Staate angestiftet werden können,so ist eine Obrigkeit einzusetzen, welche ein Auge auf diejenigen hat,deren Lebensweise den Staatsintcressen nachteilig ist, in einein demo-kratischen Staate also sich nicht mit dem Geist der Demokratie, ineinem oligarchischen sich nicht mit dem der Oligarchie in Einklangbefindet. Und das geht so durch alle Verfassungen durch? Aus den-selben Ursachen muß man auch den teilweisen Aufschwung einigerElemente im Staate überwachen und den aus einem steigenden Wohl-stände derselben etwa entstehenden Gefahren durch das Mittel begeg-nen, daß man den Klassen des Staates, die sich entgegenstehen, dieGeschäfte und die Ämter anvertraut. Ich verstehe unter solchen sichentgegenstehenden Klassen die Vornehmen und die Menge, die Armenund die Reichen. Ein anderes Mittel besteht in dem Versuch ent-weder die Masten der Armen und Neichen zu vermischen oder denMittelstand zu heben; denn dies löst die aus der Ungleichheit hervor-kommenden Keime der Revolutionen auf?

7. ES ist dies nicht bloß ein in Vorschlag gebrachtes Theore'm,sondern eine Praxis, die wirklich bestand und deren Verallgemeinnng vonAristoteles empfohlen wird. Das antike Staatöprinzip bestimmte denganzen Menschen, und ein Ultraliberaler unserer Zeit hat in der Regelkeine Ahnung davon, wie entsetzlich er in seinem Privatleben selbst in demdemokratischsten Staate dcS Altertums sich geniert fühlen würde. In deralten Zeit der griechischen Staaten machte sich die Kontrolle ganzvon selbst. Wenn Aristoteles aber die Einsetzung einer eigenen Obrigkeitempfiehlt, so kommt das daher, weil zu seiner Zeit die Menschen ihreInteressen schon mehr auS dem Staatsleben hcrauszogen und daö Privat-leben besonders durch die Philosophen und den Einfluß der Dichter nachdem Vorgänge des Euri'pides sich zu bilden begann. Schon vorAristoteles' Zeit begann etwas dem Kosmopolitismus Ähnliches sich inGriechenland zu regen. Dichtete doch schon Euripides:

Der ganze Lustkreis ist des Adlers weite Bahn,

Und Wacker» ist die ganze Welt ihr Vaterland."

Desgleichen rief derselbe in der TragödiePhri'xus" seinen Zeitgenossen zu:Die Menschen, nicht die nackten Mauern, nenn' ich Stadt,"was denn von dein neueren llki bene, idi pnlrin! nicht allzu weit entfernt ist.

8. Das Emporkommcn des Mittelstandes ließ ja auch in alleneuropäischen Staaten diese in eine neue Phase der Entwickelung eintretcn,wie die Beispiele Englands, Frankreichs und Deutschlands zeigen. Heute