Zweites Kapitel.
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die Seele aus Verstand und Willen, die Familie ans Mann undWeib, der Besitz ans Herr und Sklave. Alle diese ungleichartigenBestandtheile insgesammt und noch andre dazu enthält auch derStaat: es kann daher die Tugend aller seiner Bürger nothwendignicht eine sein, ebenso wenig wie auch in dem Personal des Chorsdie Tüchtigkeit der besten Sänger in den vordere» Gliedern dieselbe istmit der der Statisten in den Hinteren Gliedern ^). Hieraus ergiebtsich also, daß diese Tugend schlechthin nicht etwas einfaches ist.
5. Aber vielleicht wird die Tugend des guten Bürgers und desguten Menschen in einem bestimmten Individuum zusammen-fallen? Wir sagen ja doch, daß ein tüchtiger Regent Güte und Ein-sicht besitze, welche letztere wir von dem Staatsmann nothwendig ver-langen. Deshalb nehmen Einige für den Regenten von Hause ausauch eine eigene Erziehung in Anspruch, wie ja auch die in der rit-terlichen und in der Kriegskunst gebildeten Königskindcr eine solchezu genießen scheinen, und wie auch Euripides andeutet in dem Verse:
Nicht Glanz und Flitter! sondern was der Staat bedarf —6)
womit er andeutet, daß es eine besondere Regentenerziehung giebt. —6. Wenn nun die Tugend eines guten Regenten und eines gutenMenschen dieselbe ist, ein Bürger aber auch derjenige ist, welcher re-giert wird, so fällt die Tugend des Menschen mit der des Bürgersschlechthin — nicht zusammen, wohl aber mit der eines bestimmtenBürgers; denn der Herrscher und der Bürger schlechthin haben nichtdieselbe Tugend, was vielleicht den Jason zu der Aeußeruug veran-
2) Das Personal des Chors 02 oder l5 Personen) zieht durch den West-eingang des Theaters in der Form eines Rechtecks feierlich ein. Es seht derChor den feierlichen Marschschritt so lange fort, bis er in der Mitte derOrchestra zu stehen kommt. Hier stellt er sich um den Thymele-Altar, etwasnäher der Bühne als dem Theater zu, aus. Die Glieder der „LinkLgestellten"nun, und unter ihnen der dritte von den fünf, der auf der Thymele zu ste-he» kam, waren als die den Blicken des Publikums am meisten auSgesehten,die schönsten Männer und die besten Säuger, wogegen die rcchtSgestellten, dievon der Bühne aus gesehenen, die am wenigsten geschickten waren. Sie warenStatisten.
3) Aus Euripides' verloren gegangener Tragödie „Aeolus".
Aristoteles' Politik. 12