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4 (1895) Politik
Entstehung
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Sechstes Kapitel.

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zeit den Mitgliedern erthcilte Gewalt der Entscheidung in den wichtig-sten Sachen ihr Bedenkliches hat, denn ebensowohl wie derKörper fällt auch die Einsicht der Altersschwäche an-heim. Ist ihre sittliche Bildung aber so beschaffen, daß den Gesetz-geber selbst ein Mißtrauen in Betreff ihrer Tüchtigkeit anwandelt,dann ist die ganze Einrichtung nicht ohne Gefahr für den Staat.18. Und so treffen wir denn bei Mitgliedern dieser Behörde Bestechlichkeitan, und nehmen wahr, wie sie viele öffentlichen Angelegenheiten nachGunst verwalten. Deshalb wäre es besser, wenn sie nicht unverant-wortlich wären; gegenwärtig aber sind sie es. Zwar kann man sagen,daß die Ephorenbehörde die Kontrolle über alle Behörden ausübe;aber damit ist wieder der Ephorie eine zu große Machtbefugniß einge-räumt, und die Art und Weise, wie ihr Rechenschaft abgelegt werdenmuß, ist nach unserm Dafürhalten nicht die richtige. Ferner ist auchdie Wahl zu einem Mitglieds dieses Senats wegen der Art und Weise,wie die Entscheidung getroffen wird"), kindisch, so wie es auch einefehlerhafte Einrichtung ist, daß der, welcher der Mitgliedschaft würdigbefunden werden soll, selbst darum anhalte; denn wer eines solchenAmtes würdig ist, der muß dazu bestellt werden, er mag wollen odernicht. 19. Jetzt aber sehen wir den Gesetzgeber hier ebenso verfah-ren , wie auch sonst in den andern Theilen der Verfassung. Er suchtnämlich allen Bürgern Ehrgeiz cinzupslanzen, und rechnet auf dieWirkungen dieser Leidenschaft auch bei den Rathswahlen, weil ohne

H) Die Art der Wohl bezeichnet Plato in denGesetzen" als einer Loo-sung ähnlich. Genauer Plutarch im Leben des Lykurg Kap. 2L, der denModus ausführlich also beschreibt:die Wahl geschah iu folgender Weise. Wenndas Volk versammelt war, so verschloß mau einige dazu gewählte Mäuner inein benachbartes Haus, wo sie Nichts sahen noch gesehen wurde», und nur dasGeschrei des versammelten Volkes vernabmcn, das, wie in andern Fällen auchbei dieser Wahl, seinen Willen durch Geschrei zu erkennen gab. Die Bewerberwurden nicht alle zusammen, sondern jeder einzeln nach dem Loose cingcflihrt,und gingen schweigend durch die Versammlung. Die Eiugcschlossenen hattenSchreibtafeln, auf welche sie bei Jedem den Grad des Geschreis bezeichnetcu,ohne zu wissen, wem es gelte, außer daß er als Erster, Zweiter, Dritter u. s. f.herein geführt worden. Wem das meiste und stärkste Geschrei erscholl, denriefen sie zum NathSherr» aus. Mit einem Kranze auf dem Haupte hielt erdann den Umgang in alle Tempel" u. s. w.