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4 (1895) Politik
Entstehung
Seite
127
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Zweites Buch. Zweites Kapitel.

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Habsüchtige getadelt, während doch, genau genommen, ein jeder nachden Gegenständen eines solchen Verlangens trachtet. Auf der andernSeite liegt auch darin ein hoher Genuß, wenn man sich gegen geliebtePersonen, Gastfreunde und Genossen gefällig und hilfreich erweisenkann; auch dieser entspringt aus dem Privateigentume.

7. Diese beiden Vorteile fallen nun bei einer überspanntenstaatlichen Einheitsmacherei weg, und außerdem begeben sich diejeni-gen, welche den Staat so eingerichtet haben wollen, augenscheinlichder Ausübung von zwei Tugenden, einmal der Zurückhaltung gegendie Frauen (denn sich der Frau eines andern aus gesittigter Mäßi-gung zu enthalten, ist edel) und dann der Freigebigkeit 2 in der Ver-fügung über den Besitz. Denn es wird diese Tugend sich weder beijemand bemerklich machen, noch wird es überhaupt zu einein Akte derFreigebigkeit bei ihm kommen, weil sie eben aus der Fähigkeit beruht,über sein Eigentum verfügen zu können.

8. Freilich hat ein so eingerichteter Staats ein sehr hübschesund menschenfreundliches Ansehen, und wer davon hört, läßt sich ihngern gefallen und denkt, daß in ihm eine wundervolle Liebe allergegen alle eintreten werde, zumal wenn dabei die Anschuldigung er-hoben wird, daß die gegenwärtig in den: Staatsleben vorkommendenÜbelstände aus der Nichtgütergemeinschaft entständen, wie die Pro-zesse wegen Schuldforderungen, die Klagen wegen falschen Zeugnisses,die Kriechereien gegen die Neichen Übel, die sämtlich nicht davonherrühren, daß die Gütergemeinschaft fehlt, sondern von sittlicherVerdorbenheit.

9. Auch sehen wir ja, daß Personen, die etwas gemeinsambesitzen und nutzen, weit mehr mit einander in Streit liegen, als dieBesitzer von Privateigentum; aber wir halten die Zahl der sich ausder Gütergemeinschaft erhebenden Streitigkeiten für gering, weil dieseselbst nicht so häufig ist, und die daraus erwachsenden Prozesse sich inder zahlreichen Menge der Händel um das Mein und Dein bei getrenn-

2. Dem von Aristoteles hier gebrauchten Worte entspricht vielleicht nochmehr das in unserer Sprache heimisch gewordene Fremdwort Liberalität.

3. Der Staat mit platonischer Gütergemeinschaft, der Vater des moder-nen Kommnnistenstaates.