Einleitung. Erstes Kapitel.
39
Leben und in die Politik des Staates unmittelbar eingreift, daer, in den besten Zeiten wenigstens, die Waffen führt, da in denFragen der inneren wie der äußeren Politik die wichtigsten Ent-scheidungen mit in seine Hände gelegt sind, da er endlich, wo ersteht und geht, auch ohne bestimmte obrigkeitliche Gewalt, nachdem treffenden Ausdruck des Aristoteles wenigstens immer „un-bestimmte Obrigkeit" genannt werden kann, so ist er mit fürst-lichem Charakter bekleidet, und der griechische Staatsbürgerist demnach, um es kurz zusammen zu fassen, eine fürsten-ähnliche Existenz.
Ein solcher Bürgerstaat, ein solcher Staat von fürstenähn-lichen Männern und Bürgern bedurfte einer materiellen Grund-lage, und diese bildeten die Handarbeiter und ganz besonders dieSklaven. In den nicht demokratischen Staaten räumte man denelfteren in der Regel nicht das Vollbürgerrecht ein, und dieseVerweigerung wird von den alten Politikern überhaupt ausmehreren, in der Aristotelischen Politik angeführten, Gründen imallgemeinen gebilligt. Handarbeiter und Handwerker, meintensie, ständen im Dienste des Publikums und wären wegen derihre ganze Thätigkeit in Anspruch nehmenden Arbeit zur Ver-waltung von Staatsämtern, sowie zu Staatsgeschäften nichtbrauchbar. Sie arbeiteten für die gemeinen Bedürfnisse desLebens und könnten daher die „architektonische Tugend", die Ein-sicht des Regierenden nicht gewinnen. Da sie aber persönlichfrei waren und ihr Wert und ihre Bedeutung besonders in denGewerbe und Handel treibenden Seestädten Korinth, Athen,Epida'mnus natürlich eine höhere Schätzung erfuhr, so warhier ihre gesellschaftliche Stellung auch überhaupt ehrenvoller,während in den binnenländischcn Ackerstädten das Gegenteilstattfand.
Die wichtigste Unterlage bildeten aber die Sklaven. Übersie hat Aristoteles im zweiten Kapitel des ersten Buches das