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Aristoteles, Politik.
sei». Es kann jemand mit Achtung und mit dem ernstlichenVorsatz an dies Werk gehen, sich aus demselben in einemGebiete, das ihn höchlich interessiert, zu unterrichten, und erkann es unbefriedigt aus der Hand legen. Das würde abergeschehen, wenn er mit der ganzen Fülle seines heutigen Denkensoder auch nur mit den Forderungen, welche die heutige Zeitan ihn stellt, unvorbereitet an die Lesung ginge. Wenn z. B.jemand sich aus der Aristotelischen Politik darüber belehrenwollte, wie weit der Staat die Freiheit des einzelnen beschränkensolle und dürfe, so würde er, wie im Verlauf dieser Einleitunggezeigt werden wird, darüber keine Auskunft erhalten, weil erüberhaupt an den antiken Staat diese Frage nicht richten darf.Je weiter er lesen wird, desto unbehaglicher wird ihm zu Mutewerden, wenn er durch ernste Kenntnisnahme genötigt sein wird,eine moderne Gedankenreihe nach der andern fahren zu lassen.Wir haben es ja alle erfahren, daß, wenn wir uns in einfremdes, großes Werk Hineinlesen, unsere Vorurteile und Mei-nungen sich an der mächtigen aber harten Bestimmtheit derfremden Gedanken zerstoßen oder wie sie sich dann im günstigenFalle mehr oder minder empfindlich bei fortgesetztem Studiumdesselben von unserm Sinn ablösen. Um nun diesen Ablösungs-prozeß, der zugleich vermitteltes Verständnis ist, zu erleichternund den Leser in den Stand zu setzen, mit der Lektüre dieserPolitik einen nicht ganz fremden Boden zu betreten, werden diefolgenden Mitteilungen an ihrer Stelle sein.
II
Der griechische Staat geht nicht über den Begriff derPollis, d. i. der Stadtgemeinde hinaus. Der Staat ist dieStadt. Man muß daher bei der Betrachtung des griechischenStaatswesens die Vorstellung der modernen Massenstaaten fahrenlassen. Einen Staat von der Größe eines heutigen deutschen