Anmerkungen.
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Versammlung zu Trieut nicht umsonst jammerte, haben die Gutgesinnten wieder dasHaupt erhoben. Daß alle Männer von Einsicht Ruf und anerkannter Rechtschaffenheitder Teutophobie fremd geblieben, ist eine beachtenswerthe Thatsache." Noch eingehenderwurde derselbe Gegenstand in einer Innsbrucker Korrespondenz vom 1. December im„Journal d. oft. Lloyd" Nr. 276 v. 8. December besprochen. „Die Agitation in Wälsch-Tyrol dauert fort", heißt es daselbst; „es gelingt ihr aber doch nicht, alle Fiebern sozu durchdringen wie sie möchte. Noch ist unvergessen die Äußerung der Bauern vonGresta. Diese wagten zu erklären, die Deutschen wären ihnen viel lieber als Richter,denn von diesen bekämen sie viel gerechtere Nrtelsprüche. Das provisorische Comite vonAla, welches in Nachahmung des Beispieles der Städte Trient und Roveredo auchdort errichtet wurde, mußte wegen der bestimmten Erklärung der Bürger, daß sie keineandere neue Behörde haben wollen, aufgelöst werden. Die Einwohner des Gerichtsbezirkesvon Primör, welche in einem so abgeschlossenen Alpenwinkel leben daß die Revolu-tionäre bei ihnen noch den bekannten Parteinamen der ersten französischen Revolutiontragen, wollen nichts von den ,Jakobinern' wissen und haben seit dem März jederVerführungskunst die unerschütterliche Treue an dem Bestände des Landes Tyrol unterdem Kaiserhanse entgegengesetzt. Alles dies verschweigen wohlweislich diejenigen, welchedavon sprechen und schreiben, daß in ganz Wälsch-Tirol nur Ein Wille und Eine Sehn-sucht sich kundgebe. Diese schweigen auch gänzlich von dem Benehmen der Leute indem ehemals Brirnerischeu Gericht Eyas, der durch ihre Ehrlichkeit und Verläßlichkeitauf den Bozuer Messen rühmlich bekannten Faschaner. Fass«, der verborgene Ziergartenin der tyrolischen Alpenburg, obgleich von Italienern bewohnt und dem Kreise Trientangehörig, ist ein von den Agitatoren noch uneroberter Boden. Die Wälsch-Tyrolermachen auch keine Erwähnung von den Bezirken Livinallongo und Ampczzo, derenEinwohner durch Sprache Abstammung und Lage doch den gegründetsten Anspruch dar-auf hätten. Sie gehören nach der geographischen Begränzungstheorie gewiß weit mehrzu Italien als die Kreise von Trient und Roveredo, denn sie leben in den Schluchten,welche einen Theil der Qnellenregion der Piave bilden. Allein während des ganzenKrieges blieben sie ruhig und haben nie den Wunsch ausgesprochen, von Tyrol getrenntzu werden. Die vier genannten Bezirke Primiero, Faffa, Ampezzo, Livinallongo (Pri-mör, Eyas, Höllenstein, Buchenstem) bilden die prächtige Felsenverbrämnng an derSüdseite Tyrols von der Brenta bis zum Tagliamento und haben eine Bevölkerungvon 20.692 Seelen. Der Schlüssel zu dem Geheimniß, daß vorzüglich diese Lente guttyrolisch bleiben wollen, liegt darin, daß sie freie Bauern sind und daher die Herrenauf sie ohne Einfluß bleiben. In den anderen Theilen Wälsch-Tyrols ist das Colonen-system vorherrschend, ein Zustand trauriger Abhängigkeit der eigentlichen Bearbeiten-des Bodens von den Herren im Frack, welche dessen Eigcnthümer sind, ein Zustand,der in reiner Ausprägung übler ist als ein geregeltes Unterthänigkeitsverhältniß; denndie Idee von Schutz und Treue, welche Herren und Vasallen aneinander band, fehlt,und an ihre Stelle ist ein reines Contractsverhältniß getreten. Das ,souveräne Volk'der Colonen muß natürlich nach der Herren Pfeife tanzen". In der Trienter Versamm-lung vom 28. November konnten die Vorfälle von Ala nicht unerwähnt bleiben. Dadieselben doch einigermaßen an „wahrhaft italienischer" Gesinnung zweifeln ließen, somußten die Abgeordneten dieser Stadt, Prof. Valentins Dcbiasi und Doctor Frances-cati, einige Worte zu ihrer Vertheidignng sprechen, worauf Ala, nachdem Dott. Faes diebeiden Abgeordneten ermuntert hatte die patriotischen Gesinnungen ihrer Mitbürgermehr zu erwärmen, wieder zu Gnaden anfgenommen wurde.
149) S. 222. Abgedruckt bei Becker Reaction in Deutschland S. 289. —
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