Anmerkungen.
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wurde. Wenn die studierende Jugend, die fich in Ungarn seit langem mil Verliebeder juridischen Laufbahn znwandte, von der Pcster Hochschule in die Mitte ihrer könig-lich-freistädtischcn Mitbürger znrückkehrte, brachten die „schnmcken Jnraten" schon jeneSchwärmerei für den tonangebenden Magyarismns mit, der sie auf das spießbürgerliche„Schwabenthnm" ihrer Väter nur mitleidig herabblicken ließ. So wurden sie nichtbloß Werkzeuge des neuen Systems, sondern diele von ihnen gehörten zu den erhitztestenSchildträgern desselben, die sich in Nachahmung der magyarischen Äußerlichkeiten übcr-botcn und es in nationalen Anmaßungen und Überschwänglichkeiten ärger trieben atsihre Vollblut-Vorbilder. „Der Prcßbnrger Bürger", schrieb Mar Schlesinger imI. 1850 (Ans Ungarn; Berlin, Dnncker; S. 76), „war seit einer Reihe von Jahrennltra-magyarisch, mochte cs nicht leiden daß seine Kinder anders als magyarisch sprachen,trug seinen Attila mit Schnüren vorn und hinten, und brauchte alle Jahre ein paarThaler auf Pomaden, nm seinen Schnurrbart in magyarische Formen zu bringen"-Deutsche Bürger, die keinen ungarischen Satz richtig hcrsagen konnten, setzten magyarischeSchilder über ihre Kramläden, klebten magyarische Ankündigungen an die Straßenecken.Hunderte von deutschen Familien wandelten ihre angestammten Namen in magyarischenm oder vertauschten doch die deutsche Schreibweise derselben mit der magyarischen:ans „Pfannschmied" wurde „Zsedcnyi", ans „Schädel" „Toldy", aus „Enderl" „Vcghy";„Hcnsclmann" schrieb sich „Hcnszclmann", „Sonntag" „Szontägh", ein „Franz Schulz"wurde zu einem „Snlez Fcrcncz" — im Ungarischen wird das einfache s wie sch,dagegen s; wie s, cz wie c ausgesprochen —. Viele der Älteren brachten es bis an ibrllebensende nicht dahin ungarisch zu sprechen, thaten sich aber etwas zu gute daraufnichts anderes als ungarisch hören zu wollen, wovon Martini Bilder ans dem Hon-vedlcben I. S. 105 f. 124 f. einige ergötzliche ans dem Leben gegriffene Sccncn beschreibt.Und was wurde den Deutschen in Ungarn für diese Wohldiencrci von magyarischerSeite zn Thcil? Eine Antwort eigener Art gab auf diese Frage das Schicksal desdeutschen Theaters in Pest, worüber nachznlesen: Janotyckh I. S. 22—27. Wieihre eigenen Stammesgcnossen über die ungarischen Deutschen im Punkte ihrer politischenWetterwcndigkeit urtheillcn, zeigt eine Stelle bei Schlesinger a. a. O.: „Ver-deutsche Städtebürger wußte nichts besseres zn thnn als Eljen zn schreien, wenn derSchatten von Koffnth's Kalpak um die Ecke bog, und schwarzgclbe Fahnen ausznsteckenwenn ein österreichischer Eorporal mit sechs Mann am Horizont seines Weichbildes erschicn-Man mache von Wien ans das Land Hnrbano-slovakisch oder Knicano-serbisch oderJelaco-kroatisch oder Jankulo-rnmänisch, gleichviel, der Deutsche wird sich zn bescheidenwissen und zn jener Fahne schwören, die ihn am besten schützt und die solideste Gold-verbrämnng hat". Man wolle übrigens nicht vergessen, daß cs hier überall mir dievormärzlichen Zustände sind, die wir im Ange haben. Neuester Zeit scheinen mancheWahrzeichen, namentlich die Regsamkeit in dem deutschen Lehrerstande — das panma-gyarischc Ungarn hat bei 3000 deutsche Schulen — dafür zu sprechen, daß die Dingeeine andere Gestalt anznnchmen beginnen.
94) S. 169. „Die Serbien und Rascicr (Razen) in Ungarn und deren Privi-legien"; im „Lloyd" V. Jänner 1849.
95) S. 170. Ein Artikel des Osterr. Correspondentcn v. 3. März 1849 („ZnrGeschichte der Romanen in Siebenbürgen") versichert, Professor Schüller habe für dasvon ihm abgefaßte Gutachten in dieser Angelegenheit 50 Dueaten ans der sächsischenNational-Caffe erhalten.
96) S. 171. Das wurde selbst von einzelnen magyarischen Stimmen nicht abge-stritlen; siehe z. B. Zur Geschichte des nngarischcn Frcihcitskampfcs, wo II. S. 145 f.