380
Anmerkungen.
Minister beschloß »nd ausführte", da sich Kisker nur erboten habe, „die laufenden ge-wöhnlichen Geschäfte noch einige Zeit zu besorgen". — Erst einige Tage später tratRintelen für die Justiz in das Cabinet, wo sodann die Wuth der Radicalcn dieMinister-Namen derart zusammenstekltc, daß die Endbuchstaben dasjenige bedeuteten, anwas sie die Träger derselben wünschten: „Brandenburg, Strotha, Mantenffcl, Ladcn-berg, Pommer-Esche, Rintelen".—Dagegen wurde von dem Könige das Wortspiel er-zählt: „Brandenburg in der National-Versammlung und die National-Versammlnngin Brandenburg!" — Die Zahl jener Mitglieder der Rechten, die am 8. mit den Mi-nistern den Saal verließen, wird bald mit 77 bald mit 78 angegeben; cS folgten aberbald noch einige nach, so daß Rnge's Tagebuch („Die preußische Revolution" ic.Leipzig 1848, Verlags-Bureau) S. 59 f. unter der Rubrik: „Wcggelanfenc Depntirtcam 9. November" ein Verzeichniß von beinahe 100 Namen bringen konnte.
16) S. 81. „So lange die Presse, so lange das Vcreinignngsrecht nicht von neuemgeknebelt werden, hat das Land die Mittel in der Hand, ohne Blutvergießen den Siegüber die Bestrebungen der Reaction herbeiznführen. Wenn die Provinzen, wenn alleAssociationen, wenn alle Wahlbezirke, wenn alle größer» Städte sich auf das entschiedensteerklären, wenn sie unserer Ansicht beitretcn, wenn sic Proteste gegen das Benehmen desjetzigen Ministeriums erlassen, dann ist kein Zweifel, daß das Erfolg haben muß. Ist dasLand oder ein großer Theil des Landes dieser Meinung nicht, nun, meine Herren, dannhat das Land es zu verantworten, wenn die eben anfblühcnde Freiheit wieder verdorrt".Den ersten Satz dieses Anssprnchs hat von Unruh seinen „Skizzen" als Mottovorgesetzt.
17) S. 82. „Nicht die Mauern und Steine sind es, welche die National-Vcrsamm-lnng bilden", rief Waldeck ans, „sondern unser Mnth und unser Wille". Überhauptthatcn sich die Mitglieder des Winkel-Parlaments auf ihre unbeugsame Entschlossenheitnicht wenig zu gute. Als im Hotel de Russie über verschiedene Kleinigkeiten Einspracheerhoben wurde »nd der Abgeordnete Bornemann bat, „nicht fort und fort zu prote-stiren", rief Philipps mit Pathos: „Wohl mögen wir fort und fort protestiren, gegenjeden ungesetzlichen Schritt, damit nicht unsere Kinder einst sagen: Mein Vater warauch einer von denen, die das Vaterland verrathen haben". Als Unruh sprach: „Icheröffne die Sitzung", ertönte lang anhaltender Beifall, und Rüge a. a. O. S. 89bemerkt dazu: „Diele denkwürdigen Worte, womit eine neue Epoche der preußischenGeschichte beginnt, diese Worte enthalten die Erklärung der Sonverainetät des Volkes,ausgcübt von der Versammlung seiner Vertreter, und sie werden gesprochen in einemsolgenichwercn Augenblicke, der Gewalt einer Militärmacht gegenüber, die unter demGewicht der moralischen Macht des ganzen Volkes znsammenbrechcn und dem Gesetzeunterworfen werden soll". Es war aber nicht alle Welt dieser Meinung. Im Gegen-theile die Versammlung, besonders als sic in den Tagen darauf aus einem Locale indas andere zog, verfiel dem ärgsten was einem öffentlichen Charakter zustoßen kann,der Lächerlichkeit, nud was die Sache noch tragischer für ihre Träger gestaltete, manmachte sich über sie von beiden Seiten lustig, von jener der Conservativcn wie vonder der Demokraten, wie sich z. B. Held a. a. O. S. 368 über jene „Farce" ansläßt,über jenes „eigenthümliche, in der Weltgeschichte vielleicht einzige Schauspiel einerVolks-Repräsentation, welche, von einem mit Flinten bewaffneten Trupp wie eineKette Rebhühner gejagt, aus einem Locale in's andere getrieben wurde und dabei derWelt das unwürdige Bild eines sich ohnmächtig sträubenden Kindes darbot", S. 371 f.
18) S. 84. Basscrmann's Bericht in der Frankfurter National-VersammlnngV. 18. November.