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2 (1870) Revolution und Reaction im Spätjahre 1848
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österreichische Regienmgszwecke im Vormärz. 299

bcnützcn sich zur freien Geltung zu bringen. Und dasselbe wird danncintretcn, wo eine Regierung in ihrer auf die Nicderhaltnng gewisser ihrnicht zusagender Factoren gerichteten Arbeit unterbrochen wird, bevor sieihre Aufgabe vollendet hat d. h. bevor jene Factoren um ihre völligeKraft und Wirksamkeit gebracht sind.

Dem vormärzlichen Regimente in Österreich hat es an allen dengenannten drei Voraussetzungen zugleich gefehlt. Sie hat theilwcisc etwasganz unnatürliches angestrebt; sic hat in ihrer Thätigkeit nicht den er-forderlichen unbeugsamen Ernst walten lassen; und es war ihr nicht dieerforderliche Zeit gegönnt, um die weitausgreifende Arbeit die sie sichvorgestcckt zu Ende zu führen.

Seit den Tagen der Kaiserin Maria Theresia hat die österreichischeRegierung das Ziel verfolgt, die sogenannten Erbländer in ein einheit-lich gleichförmiges Staatsgebildc umzuschaffcn. Was sie für diesen Zweckin nationaler Richtung anstrcbte, wie sie cs in diesem Bemühen an dernöthigen allseitigen Conscqncn; fehlen ließ, und wie sie deshalb damitscheiterte, haben wir in unserem zweiten Abschnitte zu zeigen uns bemüht.Aber cs galt ihr nebst den nationalen auch alle staatsrechtlichen undadministrativen Unterschiede zu verwischen, die crstcren in einem einheit-lichen Gcsammtstaate, die zweiten in einem gleichförmigen Verwaltungs-Organismus aufgehen zu machen. Wenn dem philosophisch-kosmopoliti-schen Zcitgciste, unter dessen Walten jene Idee zuerst aufkam, nicht allesVerständnis; für die wirklichen Grundlagen des Völkerlcbens gemangelthätte, würde er haben erkennen müssen, daß cs bei der großen Ver-schiedenheit der Länder und Stämme, deren Complex den Erbstand desregierenden Hauses bildete, eine wahre Riesenarbeit war selbe in einengleichartigen Guß zu bringen; eine Aufgabe, deren Lösung die unermüd-liche ununterbrochene unbeirrtc Arbeit von Jahrhunderten verlangte;ein Werk endlich, an dessen Durchführung, wenn nicht sichere Aus-sicht vorhanden war es zu vollbringen, lieber gar nicht zu schreitenwar. Denn einerseits hatte man zu erwägen, daß, wenn die auf Be-seitigung oder Umwandlung aller widerstrebenden Elemente gerichteteArbeit unterbrochen wurde ehe sie vollendet war, die Gegenströmungdie dann nicht ansbleiben konnte nur um so gewaltiger werden, denBestand und Zusammenhalt des Ganzen nur um so gefährlicher bedrohenmußte. Und andrerseits, wenn jene angestrcbte Gleichförmigkeit der Ein-richtungen und des Geschäftsganges ohne Zweifel ihre großen Vorzüge