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Völkerlebcn und Regicrimgsthätigkeit. 297
logc Erscheinungen, die jenseits unserer Gränzen in der verschiedenstenWeise zu Tuge traten, gänzlich ans dem Auge zu verliere». Wir werdenzu diesem Behnfe vorerst einen Blick ans die allgemeinen Ursachen desso rasch und so durchgreifend vor sich gegangenen Wechsels werfen undsodann nach allgemeinen Gesichtspunkten die mannigfaltig gearteten Wir-kungen znsammcnfasscn, welche dieser Wechsel in seinem Gefolge hatte.
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Tiefer blickende Politiker und Geschichtschreiber Englands haben csvon jeher als einen wesentlichen Vorzug ihres Landes hcrvorgehobcn, daßsich seit Jahrhunderten die Negierung soviel als möglich davon fernhaltcnmußte, sich in die inncrn Angelegenheiten der Bevölkerung zu mischen,so daß dieselben, in ihrem natürlichen Entwicklungsgänge durch kein will-kürliches Belieben und Ermessen gestört, ungehindert den großen Ge-setzen der Mcnschheitsbildnng folgen konnten. In allen Staaten desmitteleuropäischen Festlandes fand bis auf die neueste Zeit das geradeGcgcnthcil statt. Die Negierungen betrachteten cs als ihren Beruf, inallem und jedem in die Zustände und Verhältnisse des Völkerlebcns cin-zngrcifcn, hier vorwärts treibend, dort znrückdämmcnd, überall regelnd;Staatsmänner und Gesetzgebungen setzten all ihr Streben und Verdiensthauptsächlich in diesen einen Punkt. Es geschah dieß nicht selten in kurz-sichtiger Weise zur Erreichung eigenwilliger Ziele; cs geschah aber auchhäufig in der besten Absicht und für die löblichsten Zwecke.
Nun schlagen wir die Macht staatsmännischcr und legislatorischerEinwirkung durchaus nicht gering an. Im Gcgcnthcile wir finden derBeispiele genug in der Geschichte, wo in Folge solcher Einwirkung diePhysiognomie ganzer Staaten ein dauernd anderes Aussehen gewann,als sic hätte erhalten müssen, wenn das Völkcrleben ohne Zwang undkünstliche Hcrrichtnng seiner natürlichen Entwicklung wäre überlassenworden; wo willkürliche Systeme, getragen von reichen Mitteln äußererGewalt und fcstgchaltcn vom überlegenen Geiste gewandter Fürsten undStaatsmänner, dem natürlichen Zuge des Völkerlebcns eine nachhaltigcigcnthümlichc Richtung zu geben im Stande waren Wir erinnern in