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II. 8. Neugestaltung des mitteleuropäischen Staateu-SystemS.
und die eigentliche Aufgabe der österreichischen Staatskunst besteht alsodarin, die vorhandene weder hinwegzubringende noch hinwegzuläugnendeThatsache dieser Raccn-Mischung mit der allgemeinen Staatswohlfahrtim Einklang zu erhalten. Denn wenn kein Vernünftiger wird zugebenwollen, daß sich die verschiedenen Nationalitäten Österreichs in gegen-seitigem Widerstreit aufreibcn sollen, so kann es nur daraus ankommenMittel ausfindig zn machen, wie sie friedlich und ohne Grund zu Neidund Mißgunst neben und mit einander zu leben vermögen.
Was vor und im Jahre 1848 die Nationalitäten Österreichs inHaß, zum Theil selbst in blutigem Kampf einander gegenüber stellte, warihre ungleiche Stellung und Behandlung: lag nicht, um allem Haderund Zwiespalt den Boden zu entziehen, die Aufforderung nahe, es ein-mal mit ihrer gleichen Stellung und Behandlung zu versuchen? Diefrühere Ungleichheit bestand darin, daß in der ungarischen Hälfte des Reichesdas Magyarcnthum eine bevorzugte Lage inue hatte, während in dernicht-ungarischen, sowie in der Gesammt-Leitung des Reiches dasDcutschthum im Vordergrund gehalten wurde. Was hat aber, so wurdevon nicht-deutscher Seite gefragt, die österreichische Regierung für einenhaltbaren Grund ihrer Politik ein ausschließlich deutsches Gepräge auf-zudrückcn? Einen nationalen gewiß nicht, da der deutsche Stamm dich-und jenseits der Leitha und der Karpathen die Minderzahl der Bevöl-kerung ausmacht. Einen staatsrechtlichen aber eben so wenig, seitKaiser Franz die deutsche Kaiserkrone, die seine erlauchten Ahnen getra-gen, niederlcgtc und sich die österreichische auf's Haupt setzte. Die poli-tische Bedeutung dieses Actes war keine andere, als den Stützpunkt znmFortbestände des Staates, den Franz II. auf dem deutschen Kaiserthronenicht länger finden konnte, in den selbsteigcnen Kräften seiner Erbstaateuund namentlich in den beiden mächtigen Ländergruppcn der ungarischenund böhmischen Krone zn suchen; denn bekanntlich ging man 1804 inden Wiener Hofkreisen lang darüber zu Rathe, ob der Monarch nicht denTitel eines Kaisers „von Ungarn und Böhmen" annehmen solleFortan durfte die innere wie äußere Politik unserer Monarchie nureine ausschließlich österreichische sein. Österreich mußte seinen Schwer-punkt in sich selbst suchen; es mußte lang gewohnte und beliebte Schein-Interessen seinen wahren Interessen opfern. Nur auf diesem Wegekonnte Österreich sich und seine Völker wiederfindcn;. nur auf diesemWege war zugleich die Versöhnung der letzteren zu erzielen, die sich,