Druckschrift 
2 (1870) Revolution und Reaction im Spätjahre 1848
Entstehung
Seite
243
Einzelbild herunterladen
 

Einsprache der deutschen Provinzen und Gegenden.

243

mcmnehrheit zum Abgeordneten, Frölich mit noch größerer, 90 gegen14, zum Stellvertreter gewählt. Die sprechendsten Beweise ihrer groß-österreichischen Gesinnung aber gab die Bevölkerung der RcichshauptstadtWien. Vom 27. bis 30. November hielten, nach vorher cingcholter Er-lanbniß des Militärcommandos, die Wahlmänner des I. und 11. Bezirkesder innern Stadt, jene der Wieden und der Landstraße Versammlungenab, wobei den von Frankfurt anwesenden Deputaten Mähern, Egger,Mühlfeld n. a. Beifall und Dank sowie Fortdauer des ihnen geschenktenvollsten Vertrauens ausgesprochen wurde. Die Wahlmünncr des I. Stadt-bezirkes faßten gleichzeitig (30. November) zwei Adressen ab, die eine andie Majestät des Kaisers, die andere an ihren Abgeordneten gerichtet.Wir hängen", hieß cs in der crstercn,mit aufrichtiger Liebe an allenunfern österreichischen Brüdern, deren Geschicke wir so lange gctheilt. Wirwürden ein Verbrechen an unseren nicht-deutschen Brüdern zu begehenglauben, wenn wir uns von ihnen lossagten, wenn wir das Schiff inTrümmer schlügen, ans dem wir gemeinschaftlich allen Stürmen der Zeitgetrotzt haben. Wir können in der Gestaltung Österreichs nicht ein bloßesWerk des Zufalls oder dynastischen Ehrgeizes erblicken. Wir finden darinein organisches Gebilde, dazu bestimmt zahlreiche Völkerschaften, die ver-einzelt ihre Selbständigkeit nicht wahren könnten, mit gleicher Berechtigungzu einem großen Ganzen zu vereinigen, zu einer Weltmacht welche ge-bietend in die Schicksale Europas cinzugreifen berufen ist und als Stütz-punkt eines mitteleuropäischen Staatenbundcs jedwedem Übergriffe, erkomme von Osten oder von Westen, gleich kräftig entgegcnzntrcten vermag."Und zu Mühlfcld sprachen sic:Als im April die Wahlen zum Frank-furter Parlamente stattfandcn, da gab sich in allen Ländern Österreichsnur eine Gesinnung kund: der Wunsch eines innigen Anschlusses anDeutschland jedoch unbeschadet dem Bestände eines großen einigenÖsterreich. Diese Gesinnung hat sich nicht geändert, sie ist vielmehr durchalles was seither geschah nur befestigt und gckräftigt worden. In einemAugenblicke, wo Österreichs constitnirendc Reichsvcrsammlung tagt, umdurch das große Werk einer freien Verfassung alle Völker und Stämmeder Monarchie, bei voller Sicherstellung ihrer landschaftlichen Autonomie,inniger als cs je der Fall war zu einem staatlichen Ganzen zu verbin-den ; in einem Augenblicke, wo sich dicß Österreich zur Wahrung seinerKraft und Einheit gegen die Bestrebungen separatistischer Factioncn inungeahnter Energie erhoben, in einem solchen Augenblicke kann Österreich

16 *