Bund des Fraukfurtismus mit dem Magyarismus.
223
rissen worden war, vorsichtig zurück. Als sich beim Wiener Reichstageeine Deputation des Agramer Landtages meldete, wirkten die galizischcnAbgeordneten eifrig mit, die Vorleistung derselben vor die Schranken desHauses zu verhindern, und beriefen sich dabei auf denselben Paragraphder Geschäftsordnung, von dem sie ein Paar Wochen später, als eine De-putation des Pestcr Reichstages mit gleichem Begehren in Wien erschien,nichts mehr wissen wollten. Je entschiedener die Dinge einer Katastrophecutgcgengingen, desto vielfältiger wurden die Beziehungen der polnischenAbfallspartei mit der Pester Regierung. In der October-Zeit arbeitetendie in Wien zurückgebliebenen galizischcn Abgeordneten ungeschent Kossnthin die Hände. Bcm und sein Gcneralstab waren schon innerhalb derMauern der österreichischen Hauptstadt für Ungarn thätig, in dessen Dienstesie nach dem Falle Wiens offen traten, während sich unter den LembcrgerAkademikern Freischaaren bildeten, um mit bewaffneter Hand über dieKarpathen den Ungarn zu Hilfe zu eilen.
Von der verhängnißvollsten Bedeutung für Österreich war ohne Frageder Bund des Frankfnrtismus mit dem Magyarismus,wenn derselbe von jener Seite mit gleicher Entschiedenheit cingegangen' und fcstgehalten wurde, wie ihn letzterer wünschte und anstrcbte. Dieun-
^ garische Politik Deutschland gegenüber war eine eben so einfache als klug
ausgedachtc; sie conccntrirte sich in dem Grundsätze: dem Dentschthumjenseits der Leitha alles mögliche zu gönnen und nach Kräften zu ver-schaffen, um im eigenen Lande mit den Slavcn und Romanen, aber auchmit den Deutschen selbst, um so freiere Hand zu haben. Je schnöder dieHaltung war die sich der Magyare in seiner Heimat dem deutschen Lan-desgenossen gegenüber nur zu häufig erlaubte, desto einschmeichelnder warenschon vor dem Jahre 1848 die Sirenen-Stimmen, die von den Ufern> der Donau und Theiß zu den anßer-ungarifchen Deutschen hinüber klan-
! gen; und nach Eintritt der neuen Ära gab es kaum in Frankfurt selbst
so beredte Anwälte und Befürworter der nationalen Entwicklung undEinigung Deutschlands als die Führer der Pester Reichstagspartei. IhrenLandsleuten sagten sie, „daß sie nur im schwarz-roth-goldenen d. h. indem mit Deutschland verschmolzenen (anßer-ungarischen) Österreich einenaufrichtigen Freund begrüßen dürften" ; und die Frankfurter Staatsmän-ner mahnten sie nicht zu vergessen, „daß Österreich nur durch Ungarn ge-zwungen werden könne, ehrlich und ohne Rückhalt ans Deutschlands Wie-^ dcrgestaltung einzngchen""^). In der That verfolgte der Magyarismus