200
II. 4. Völkerkrieg in Ungarn und Siebenbürgen.
hauptet wurde, ganz Kroatien sei für Ungarn „mit Ausnahme einigerfünfzig in die Dienste der Wiener Camarilla verstrickter Personen, wieKnlmer, Ozegoviö, Bnzan, Knkuljcviü, Vukotinoviü"; diese ließen keinMittel unversucht die übrige Bevölkerung cinzuschüchtern und dem kroa-tischen Militär fortwährenden Anlaß zu Ausschreitungen und Grausam-keiten zu geben ; es bedürfe nur eines Einmarsches ungarischer Regierungs-Truppen, und die ganze kroatische Nation werde sich „wie ein Mann"erheben, um sich unter ihre Fahnen zu schaarcnAn allen diesen Ausstreuungen war kein wahres Wort. Daß die Er-hebung der Serben und Romanen von Wien und Innsbruck ans inScene gesetzt worden, war so wenig der Fall, daß vielmehr das geradeGegentheil davon behauptet werden muß. Fühlte man gleich in denHofkrcisen eine instinctartigc Theilnahme für das was sich im Südenvorbereitete, und konnte man darum den Männern, die sich dort vor denWallriß stellten, nicht ernstlich gram sein, so hatte man andrerseits Sinnund Muth so vollständig verloren, daß man nicht nur nichts that derBewegung thatsüchlich oder auch nur moralisch zu Hilfe zu kommen'"^),sondern, von magyarischen Einflüßen beherrscht, dieselbe geradezu ver-läugnete und prcisgab. In den aufständischen Gebieten befand sich bisin den Hochsommer hinein fast alles, was kaiserlich-königlich war, nichtauf der Seite der um ihre Freiheit ringenden Völker, sondern auf jenerder sie bekämpfenden Pestcr Regierung, wie denn auch bei Ausbruch desserbischen Aufstandes von Tcmesvär und von Pctcrwardcin an alle k. k.Officicrc das Verbot erging, sich „bei Verlust der Charge" jeder Thrillnähme zu enthalten. Von hervorragenden dem Staatsdienste angehörigcnPersönlichkeiten machte nur Jclaciv von allem Anfang eine Ausnahme;die andern unterwarfen sich entweder dem im Abglanze der königlichen Ma-jestät sich sonnenden ungarischen Ministerium oder traten, zweifelhaftoder unwillig, gänzlich vom Schonplätze ab.
Der Gang der serbischen Bewegung zeigt dieß klar. Das erstewas sich von kaiserlichem Militär derselben anschloß, war das Petcr-wardeincr Gränz-Rcgimcnt; aber geschah dieß von Seite der Officicrc?Nichts weniger als das! Als die Ereignisse hcrcinbrachcn, befanden sichdas 1. Feld-Bataillon in Italien, das 2. auf dem Sprunge dahin abzn-marschircn, mit ihnen die tüchtigsten Officicrc. Was von letzteren zurück-geblieben, war thcils vereinzelt und ohnmächtig, thcils unentschlossenund rathlos; so insbesondere der Stellvertreter des Rcgiments-Comman-