156 II. 1. Das Josephinischc GcrmanisirmigS-Systcm u. dessen Jncoipcqumzm.
von Ragusa und Cattaro machten in diesem Punkte keine Ausnahme;auch hier wurde die Verwaltung in allen Zweigen auf italienischen Fußgesetzt. Einzelne Patrioten, die des verwahrlosten Volkes dauerte unddie in ihrem Wirkungskreise das Unrecht, das sic ihm zugcfügt sahen,zu lindern suchten, wurden von der italienischen Partei als staatsgcsühr-lichc „Panslavistcn" verschrien und der Regierung verdächtigt.
Dasselbe widernatürliche System bestand in der kaiserlichen Marine,deren Mannschaft sich fast ansschlicßcnd ans der slavischcn Bevölkerungder Inseln und Küstenstriche ergänzte. Trotzdem war das Italienischeallgemeine Verkehrssprache; das Commando war italienisch, in denMatroscnschnlcn bestand italienischer Unterricht. Die Negierung sorgte durchitalienische Erbaunngsbüchcr für die religiösen Bedürfnisse des wülschcnSeemanns, während für die überwiegende Mehrheit der slavischcn Schiffs-bcmannnng nichts ähnliches geschah. So hatte das kaiserliche Seeweseneinen durchaus italienischen Anstrich, und nur mit den Verhältnissennäher Vertraute kannten dessen vorwaltcnd slavischcn Kern.
Diese auffallende Begünstigung des italienischen Elements in allenGebieten, wo cs die Herrschaft anstrebte, war seitens des vormärzlichenSystems nicht nur eine Inconscgncnz, die der in den andern Thcilcndes Reiches fcstgchaltcncn Gcrmanisirnng zuwidcrlicf, sondern aucheine Unklughcit ersten Ranges, da dringende Staatsrücksichtcn vielmehr einganz entgegengesetztes Verfahren geboten ^"). Denn daß der italienischeGeist dem kaiserlichen Ncgimcntc gründlich widerstrebte, ja daß er csgeradezu auf Lostrcnnnng aller ihm zugänglichen Landstriche vom Ver-bände der Monarchie abgesehen hatte, war doch lang vor 184.8 keinGchcimniß mehr. Durch die ganze italienische Literatur ging dieser Zug,der von einem Lnstrnm znm andern an Stärke und Allgemeinheit zunahm,»nd trotz Büchcrvcrbotcn und Schlagbänmcn alle Kreise nationalen Lebenserfüllte. Schon wenig Jahre nach Wicdcrcrwcrbnng der Lombardic, 1819,hatte Silvio Pcllico in Mailand mit Confalonicri, Manzoni n. a. den„Conciliatorc" gegründet, dessen Mitarbeiter eine tiefe Entrüstung überdie geistige Gränzspcrrc vcrricthcn, die ihr Land von dem übrigen Italienabschloß. In den Poesien Gio. Bcrchct's, 1825, spielte die Idee eineseinigen Italien schon eine bedeutende Rolle; der „Uomito äsi Oanisio"klagt: in Italien sei kein Jubel sondern Trauer, sein Weh sei uner-meßlich wie das Meer das cs umgibt; in einem andern Gedichte ruftein Mädchen, das sein Vater einem Österreicher zur Gattin geben will.