154 H> 1- Das Josephinischc GermanisirmigS-Systcm u. dessen Jnconsegucnzcii.
und Unterricht Beschlag zn legen, die Berücksichtigung dar Amt und Ge-richt zu beanspruchen, italienische Seelsorger ans Pfarren zn bringen,deren Einwohner noch zu einem guten Thcilc deutsch waren: so unter-nahmen die kaiserlichen Behörden ihrerseits nichts um dem cingcborncnStamme in den vom Wälschthnm bedrohten Gegenden feste Stütz- undAnhaltspunkte zn geben, und leisteten wohl gar, unbedacht oder eilige-schüchtert, den gcgcntheiligcn Maßregeln jeden möglichen Vorschub, so daßdie italienische Sprachgrenze immer weiter in Gebiete hincinrücktc, dieihrer Geschichte, ihrem Entwicklungsgänge, ihren staatsrechtlichen Verhält-nissen nach ansschlicßcnd dem deutschen Stamme angehörtcn
Im Görzischcn und in Triest erfreute sich das italienische Elementseitens der Regierungsbehörden einer ähnlichen Bevorzugung wie imsüdlichen Thcile von Tyrol; und eine noch weit größere wurde ihm imistrischcn Küstenstriche und in Dalmatien znthcil, wo übrigens nichtDeutsche, sondern Slavcn cs waren, denen das Wälschthnm alle Geltungabrang. Die Bevölkerung Dalmatiens war ursprünglich rein slavisch,und ist cs noch heute zu mehr als nenn Zchnthcilcn. Das italienischeElement in den Städten, und auch in diesen meistens i» der Minder-heit, rührt aus der vcnctianischen Periode her, wo Beamte und Sol-daten der Republik, Handelsleute und Handwerker vom andern Ufer derAdria hcrübcrkamcn und zum Thcil in der neuen Wohnstätte seßhaftblieben. Bei der begreiflichen Sorgfalt die San Marco seinen jenseitsdes Golfs angcsicdcltcn Söhnen fortwährend zuwandte, kam cs bald dahin,daß alles, was ans Bildung Anspruch machte oder nach höheren Zielenstrebte, sich als Italiener tragen mußte. Auch ein großer Thcil derlat.-kath. Geistlichkeit warf sich dem italienischen Elemente, das ihr Aus-sichten bis in die höchsten Stufen der Hierarchie cröffnctc, in die Arme,und nur der ärmere Land-ClcrnS war es, der mit ausharrcndcr Treuezn seinem Volke stand, in seinen Kirchenbüchern die althergebrachte Gla-golica wahrte und auf seinen Pfarrhöfcn der einheimischen Sprache, inder er mit seinen Scclsorgckindcrn verkehrte, nothdürftigc Pflege angc-dcihcn ließ. Von dem, was wir heute unter dem Namen Dalmatienbegreifen, stand das Gebiet von Nagusa, das eine aristokratische Oligarchiefür sich bildete, nie unmittelbar unter vcnctianischcr Herrschaft, und hierbefand sich das slavische Wesen in voller Blüthc, dnrchdrang alle Kreisedes weltlichen und geistlichen Gebens und zog eine Literatur groß, derenErzeugnisse zu dem schönsten gehören was südslavischc Kunst-Poesie ge-