Genesis des Nationalitiiten-Haders in Österreich.
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das Wesen Österreichs darin erkannt, daß es die Vermittlung anbahnezwischen den drei großen nnscrn Weittheil beherrschenden Raccn, derromanischen, der germanischen und der slavischcn. Nur die Lenker derneuern Geschicke unseres Staates selbst huldigten nie dieser Ansicht. Vonder Voraussetzung des ausschließend deutschen Berufes des Kaiserreichesbefangen, ging ihnen das Verständniß der wahren Bestimmung Öster-reichs vollständig ab und übersahen sie alle Wahrzeichen und Werksteine,die auf eine andere Richtung als die von ihnen mit blinder Beharr-lichkeit cingehaltene hinwiesen. Es gab deren, die eö mit Mund undWort versicherten, „die berechtigten Forderungen des Zeitgeistes" be-achten zu wollen: allein als berechtigt galten ihnen eben nur jene, diein ihren vorlängst ausgcbauten Gedankenkreis hineinpaßten, und durchausunberechtigt waren in ihren Angen alle die, die an dem deutschen BerufÖsterreichs zu rütteln wagten. Ohne ihr meisterndes Darcingrcifcnwürden sich die lebensfähigen unter den österreichischen Nationalitätenzwanglos entwickelt, würde diese Entwicklung in freiem Laufe ihr natür-liches Bett gefunden und würden all die vielsprachigen Stämme nebeneinander ihr friedliches Auskommen gefunden haben. Allein indem unsereStaatskünstler die Nationalitäts-Bewegung für etwas ungehöriges an-sahen, sie durch gesuchte Mittel zu dämmen und zu stauen strebten, stif-teten sie nur Unfrieden, reizten sie die willkürlich beengten Stämme zuNeid und Mißgunst gegen die zur Herrschaft gedrängte Race und stei-gerten die Widerstandskraft jener, deren Macht sie allmälig unterhöhlenund zuletzt brechen zu können meinten.
Die Nationalitütcn-Frage ist bekanntlich erst in der jüngsten Zeitder österreichischen Geschichte an die politische Tagesordnung gekommen.Es vergingen Jahrhunderte, wo man von Schwierigkeiten oder garHindernissen in dieser Beziehung nichts wußte. Es gab in allen Gebietendes damaligen europäischen Staaten-Systems nur eine Sprache die zu-gleich die diplomatische, die gelehrte und die heilige war, und die Spitzenaller Richtungen der Gesellschaft verkehrten durch sic miteinander voneinem Ende der gebildeten Welt zum andern, während die Masse desVolkes, bunter und mchrzüngig als heutigen Tages, frei und ungezwun-gen in angestammter Sitte Gewohnheit und Sprache lebte. Was ins-besondere das Bereich des heutigen Kaiscrstaatcs betraf, so bot in dervorjoscphinischcn Periode die Vielfältigkeit der Idiome der Verwaltunghauptsächlich darum keine Schwierigkeit, weil die einzelnen Länder abgc-
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