II
Die Dationalitiiten-Irlige in Österreich
„So lang man in Österreich bei einemFünftel deutscher gegenüber vier Fünftelnnicht-deutscher Bevölkerung von einem .vor-zugsweise deutschen' Gcsammtstaate, inUngarn aber bei einem Drittel magyarischerohne Rücksicht auf zwei Drittel nicht-ma-gyarischer Bevölkerung von einem .magya-rischen' Staate (NaAzmrorssöA) hören wird,kann es kein Glück, keinen Frieden undkeinen Segen im Reiche geben/'
O. Ostrozinski.
I.
Wenn cs sich im Jnhrc 1818 in den andern von der Revolutionhcimgcsnchten Ländern der Hauptsache nach nur um den Gegensatz vonRadiealismus und Conscrvatiömns, von wüstem Umsturz und erhaltendemWeiterbau handelte, so war in Österreich mit der Lösung dieses Zwie-spaltes nur eine der Aufgaben gelöst: eine andere, ungleich verwickelterund schwieriger, stand gleichzeitig daneben. Unsere Monarchie ist einein der Geschichte der Staaten und Böller ganz eigenthümlichc Erscheinung;sic ist gcwisscrmasscn ein Problem, zu dessen Lösung wohl Manche denSchlüssel gefunden zu haben meinten, nur leider niemals die, denen csihre Stellung anfcrlcgte von Schlüssel und Lösung maßgebend Gebrauchzu machen. Daß sich in einem staatlichen Gcsammtverbandc so ungemeinverschiedene Stämme und Gebiete vereinigen konnten, wurde von derdenkenden Geschichtschreibung stets für mehr als bloßes Spiel des Zufallsgehalten. Lang bevor in Prag das erste Wort von „Gleichberechtigung"gesprochen wurde, hatte man auf Lehrstühlen der deutschen Universitäten