110 I. ll. Flucht des Papstes nach Gaeta und deren nächste Folgen.
Am 24. gegen 5 Uhr Abends erschien der Herzog von Harconrtim Qnirinal und wurde zu einer Audienz beim Papste gemeldet. Nachdemsich hinter dem eintretenden Gesandten die Flügel des Empfangssaalesgeschlossen hatten, legte Pius in dessen Gegenwart die lange weiße Sontanc, das Käppchen, die Pantoffel von rothcin Saffian ab, kleidete sichin den Anzug eines einfachen Geistlichen, setzte eine Brille auf und ent-fernte sich durch eine Thüre, die in öde Gemacher und aus diesen durchden Corridor der Schweizcrgardc in den Hof führte. Da der Aus-gang in diesen letzteren viele Jahre nicht benützt worden war, so wollteder Schlüssel nicht recht passen, und cs entstand ein peinlicher Aufschubvon etwa einer Viertelstunde, bis das Schloß zuletzt doch nachgab unddas Freie gewonnen war. Man hatte absichtlich in den Tagen zuvor,und auch an diesem, eine alte Kutsche öfter wie im gewöhnlichen Palast-dienstc ab lind znfahrcn lassen, die nun auch den unscheinbaren Abatemitten durch die zahlreichen Wachen, die nicht darauf merkten, zum Thorehinansbrachtc. Als der französische Botschafter das Rollen des Wagensunter der Thorfahrt hörte, verließ er den Empfangssaal, wie nach geen-deter Audienz; unten ertönte das Glockenzeichen des Portiers für seinenWagen, und der dienstthuendc Kämmerer benachrichtigte die Nobclgardc,daß Se. Heiligkeit, die sich zurückgezogen, für heute ihres Dienstes nichtmehr bedürfe. An der Kreuzung der Straßen von SS. Pietro e Mar-cellino stieg der Papst in den Wagen des bayerischen Gesandten GrafenSpanr, der ihn dort erwartete, und fuhr in Begleitung des letzteren zumStadtthorc hinaus, während die alte Kutsche, als ob nichts vorgefallenwäre, in den Ouirinal zurückkehrtc. Bei Gallora, einem einsamen Je-suitcnkloster im Thale von Ariccia hinter Albano, traf man die Gemahlindes Grafen, die mit ihrem Söhnchen und dessen Hofmeister schon amMorgen desselben Tages zu diesem Zwecke voransgcfahrcn war, und imtiefen Dunkel der hcreinbrechcndcn Nacht stieg der „Dottorc", wie dieGräfin vcrabredeterweisc den Papst anrcdctc, in ihren Wagen; einer derEarabinieri, die hier die Sicherheit der Straße überwachten, öffnete undschloß, Auskunft gebend über die Richtung nach Tcrracina, ahnungslosden Schlag, während Spanr neben seinem Jäger den äußern Sitz hinterdem Wagen cinnahm. Unbehelligt erreichte man die neapolitanische Gränzcund fuhr 10 Uhr V. M. am 25. in Molo di Gaeta ein, wo in derLocanda di Cicerone Cardinal Antonclli und der Seerctär der spani-schen Gesandtschaft d'Arnao bereits warteten. Am Strande sollte ein