104 I 10. Der 15. und 16. Noomiber in Rom.
daucrns der unten immer ungeduldiger sich gebärdenden Menge die Frucht-losigkeit seiner Bemühungen mit. Jetzt brach der Sturm mit aller Machtlos. Hatte man früher bloß gelärmt und geschricn, so versuchte man jetztGewalt, so daß die zum Schutze des Palastes ausgestellten Schweizersich eilig in das Innere znrückzogcn und die Thorgitter hinter sich schloßen.Einige Rasende warfen sich ihnen nach und begannen an den Eiscnstäbenmit wüthcndcr Kraft zu rütteln, als wollten sic sic durchbrechen. DieTruppen rüsteten sich zur Abwehr des Angriffs. In diesem Augenblickgeschah, was in solcher Lage immer zu geschehen pflegt: es fiel ein Schuß;woher, von wem, gegen wen, wußte niemand mit Bestimmtheit anzngeben;aber die Wirkung war eine zündende. Mit dem Geschrei: „Verrath!Zu den Waffen! Tod den Palast-Kroaten!" stob alles auseinander undzerstreute sich durch die umliegenden Straßen. Einige suchten in de»Häusern nach Waffen; Andere versahen sich mit Brennstoffen; wiederAndere bemächtigten sich ans dem Campo vaccino einer Anzahl Wagenund Karren, die sie zum Barricadenban herbcischlcpptcn. Der Platz, eineWeile fast geleert, füllte sich von neuem; bewaffnete Legionäre, National-gardcn, selbst Soldaten mischten sich in den Hansen, während eine Ab-theilnng Carabinieri in geschlossenen Reihen die Via dcll' Umilta heranf-kam, ohne jedoch, bei der Schwäche ihres Commandanten ' der sich dertobenden Masse gegenüber auf's Bitten verlegte, das geringste zur Ver-hinderung dessen zu thnn, was sich jetzt vor ihren Augen entwickelte.Denn nun erfolgte eine förmliche Belagerung des Papstes in seinemHause; nicht bloß von der Straße, aus den Fenstern, von den Dächernder Häuser ringsherum, von benachbarten Kirchthürmen gab cs einenHagel von Steinen und Kugeln kleineren und größeren Calibers, vondenen einzelne bis in das Gemach flogen wo sich Pins IX. befand.Einer seiner Secretäre, Monsignor Palma, stürzte in dem Augenblicke,da er an ein Fenster trat, von einer Kugel getroffen nieder. CardinalLambrnschini, dessen Wohnung in der Consulta ein Hanfe von Legionärendnrchstöberte, entging seinem Schicksale nur durch raschen Versteck zwischendie Heu- und Strohbündcl des Stalles, während die Stilete seiner Ver-folger an seinen Hüten, Kleidern, Betten ihre ohnmächtige Wuth aus-ließcn. „So hat der Himmel keine Blitze mehr!" rief Pius, und zuden Gesandten gewendet: „Meine Herren, Sie werden Ihren HöfenBericht erstatten, welche Behandlung das Oberhaupt der Kirche von diesemundankbaren Volke erfahren muß!"