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I. 9. November-Katastrophe in Berlin.
weigern", erklärten sie in Berlin, „und sei bereit, Landwehr zur Verfü-gung der National-Versammlung zu stellen."
In Hofkreisen war man sich des bedrohlichen Ernstes der Lage voll-kommen bewußt; man zitterte, aber man wankte nicht. Der König äu-ßerte zu Grabow: „Meine Krone steht ans dem Spiele; nichts destowe-niger bin ich entschlossen nicht nachzugeben". Brandenburg hatte mit sichabgeschlossen; einer Deputation der Bürgerwehr, die gegen das Verlangender Waffenabliefcrung Einsprache erhob, sagte er: „er wisse, daß er seinenKopf für die Laterne bereit halten müsse; darum möge man glauben,daß er, was geschehen, nicht aus Vergnügen gethau, sondern aus Pflicht-gefühl". Dabei suchte man jede unnöthige Strenge zu vermeiden. DerBelagerungszustand wurde für's erste gelinde gehandhabt. Nach der Ver-ordnung Wrangel's sollten nicht 20 Personen bei Tag, nicht 10 desNachts auf der Straße beisammen stehen; man konnte ihrer jedoch am12. zu Hunderten, ja zu tausenden in der großen Friedrichsstraße, unterden Linden, auf dem Schloßplatz angesammclt scheu, zwischen denen klei-nere Truppenabthcilungen, ohne zu stören, auf und ab marschirten.
Nur die weitern Sitzungen des Winkel-Parlaments durften nichtlänger geduldet werden. Am 13. fand sich dasselbe abermals im Schützen-hause ein und befaßte sich mit der Berathnng einer Denkschrift, worindie „hochverrätherischcn Attentate des Ministeriums Brandenburg" in zehnPunkten zusammcngcstellt waren; im Namen der Versammlung schickteUnruh dieses Schriftstück dem Oberstaatsanwalt Sethe mit dem Ersuchenzu, „seine Pflicht zu thun." Die Sitzung war geendet und cs befandensich nur Plönnies mit zwei Schriftführern im Saale, als Oberst v. Blücheran der Spitze einer Abtheilung Militär erschien und einen schriftlichenBefehl Manteuffcl's vorwics, daß das Locale unverzüglich zu räumensei; da Jene keine Miene machten sich zu fügen, ließ Blücher den Vice-Präsideuten am Anne hinausführen, worauf die beiden Andern gutwilligfolgten^). Bon da an war den Mitgliedern des Wander-Parlamentsnirgends Rast noch Ruhe gegönnt. Am 14. sah man sie erst in das Cöll-nische Rathhaus, dann aus diesem in ein Tanz-Locale der Königsstadtziehen, gegen Abend auch dieses verlassen; obgleich das Rathhans inzwi-schen vom Militär in's Auge genommen worden war, gelang es denAbgeordneten doch auf Seitenwegen in das Gebäude zu gelangen unddort eine. Sitzung zu halten. Am 15. Vormittags wollte man sich wiederdaselbst versammeln, und bereits hatte sich eine Anzahl eingcfundcn, alseine Abthcilung Soldaten herbcikam und den Saal räumte. Nachmittags