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2 (1870) Revolution und Reaction im Spätjahre 1848
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1. v, November-Katastrophe in Berlin.

machen; die Anzeige kam jedoch dnrch den Polizei-Präsidenten an denkönigl. Rcgicrungsrath v. Unrnh" wieder zurück.

Während dieser Vorgänge hatte Wränget stets mehr Truppen in dieStadt und in deren Umgebung gezogen; allenthalben wurden die Land-wehr-Bataillone aufgebotcn. Das Militär in Berlin, unter Commandodes Generals v. Thümen, hatte bereits eine Stärke von 18000 Mann;alle öffentlichen Gebäude waren von ihnen stark besetzt; 25 SchwadronenCavallerie mit Artillerie und etwas Infanterie unter General v. Pritt-witz, 6000 Mann stark, hielten Berlin von außen umschlossen. Um 6 UhrAbends rückte ans dein Portal des königlichen Schlosses eine Compagnie,deren Officier nach dreimaligem Trommelschlag einen Erlaß des Staats-Ministeriums verlas, womitdie Stadt Berlin und deren zweimaligerUmkreis" in Belagerungszustand erklärt wurde. Dasselbe geschah vor andernköniglichen Gebäuden und ans allen Hauptplätzen der Stadt. Daß dicßdie Aufregung steigerte, war begreiflich. Das Schützenhans war mit meh-reren tausend Bewaffneten umstellt, in deren Mitte die drohendsten Redenvernommen wurden: das Militär, falls es anrückte, sollte dnrch verstell-ten Rückzug in die cngcrn Straßen verlockt und da erdrückt werden. Jelänger man aber ans die Katastrophe wartete, desto mehr Zweifel undBedenken stiegen bei Einzelnen auf, die sich unbemerkt davon schlichen;und zuletzt ließen sich auch die Andern von den Wortführern des Schützen-Hauses bereden, durch herausfordernden Kampf nicht den ruhigen Fort-gang des passiven Widerstandes zu stören.

Immer war die Lage eine äußerst bedrohliche. An den Straßeneckenprangte, ans rothem Papier gedruckt, derTraum eines Republikaners",um den Träumenden herum hingen Latcrncnpfählc voll. Rede» von Thron-cntsctzung fielen. Unruh äußerte in einem Gespräche mit Bassermann, derKönig solle abdankcn, der Prinz von Preußen die Regierung überneh-men und alle bisherigen Maßnahmen der Behörden widerrufen. Gemä-ßigtere, die dem Könige nicht an die Krone wollten, wie Kirchmaun, for-derten als Bedingungen der Wiedcraussöhnuug: Entfernung alles Mili-tärs aus Berlin, Verhaftung Wrangcl's und aller Minister, Verbannungaller Prinzen außer den Gräuzen der Monarchie, Unterwerfung des Kö-nigs unter die Beschlüsse der Nationalversammlung, bis die Verfassungfertig sei^). Die Aufregung Pflanzte sich von der Hauptstadt durch alleTheilc der Monarchie fort; größtentheils gab sie sich freilich nur in Wort