Ministerium Brandenburg.
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die Nachricht ans Wien, daß Windischgrätz Herr der Stadt sei. „Wienist gefallen", jammerte die „Reform" in ihrer am 3. November aus-gegebenen Nummer; „die Barbaren Hansen in der edelsten Stadt unseresVaterlandes, und kein Thcmistokles hat die freien Männer hinaus aufdas Meer führen können, um nach diesen Thcrmopylcn der rcpublica-nischcn Bildung ein zweites Salamis zu liefern. Wir haben uns zuspät betheiligt, und wenn jetzt nicht der Genius unseres Volkes seinenTodcsschlaf bricht, so ist Deutschland in wenige» Tagen tiefer zurück-gesnnkcn als es vor der Märzbcwcgung war!"
Noch früher als im großen Publicum hatte man bei Hof denschlicßlichc» Ausgang des Wiener Octobcr-Aufstandes erfahren, undsäumte nicht sich den günstigen Augenblick zunutze zu machen. Schonsechs bis sieben Wochen früher war Generallicntcnant Graf Branden-burg, natürlicher Oheim des Königs — er war ein Sohn KönigFriedrich Wilhelm II. und der Gräfin Dönhoff — nach Potsdam be-rufen worden; cs gelte, sprach man damals, die Bildung eines Mini-steriums — der Reaetion. Was sich im September nicht erfüllte, dassollte jetzt cintretcn. In der Mvrgcnsitzung des 2. November meldeteUnruh das Eintreffen eines Schreibens, laut dessen der bisherige Mini-sterpräsident Pfuel sowie die Minister Eichmann, Bonin und Dönhoffihre Entlassung gegeben ; ein zweites Schreiben enthielt die Mit-theilnng des Grafen Brandenburg, daß er mit der Bildung einesneuen Ministeriums beauftragt sei. Darüber erhob sich ein gewaltigerSturm. Berg meinte, das Schreiben Brandenbnrg's, weil von keinemMinister gegengczcichnct, entbehre jedes amtlichen Charakters und gehörehöchstens in die Petitions-Eommission; Jacobh schlug die Bildung einerArt SicherheitsauSschnß ans dem Schoße der Versammlung vor; Waldcckdeutete an, man werde wohl die Sitzungen permanent machen müssen.Als cs zur Abstimmung kam, erhob sich für den Vorschlag Jacoby'snur die reine Linke. Dagegen beschloß man auf Antrag Philipps' dieAbfassung einer durch eine eigene Deputation dem Könige zu über-reichenden Verwahrungs-Adresse. „Seit Wochen", hieß cs darin, „liefenGerüchte über Absichten der Reaetion einher, die sich nicht beschwichtigenließen; die Berufung eines Ministeriums Brandenburg müsse im Volkedie größten Besorgnisse erregen und drohe unabsehbares Unglück überdas Land zu bringen; cs thnc darum Nvth durch ein volksthümlichesMinisterium eine neue Bürgschaft dafür zu geben, daß des Königs Ab-