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I 9. November-Katastrophe in Berlin.
der fieberhaftesten Aufregung über die Entwicklung der Dinge in Wien.Der Demokraten-Congreß entwarf eine Petition an die National-Ver-sammlung, in welcher Waldeck einen dicßbczüglichen Antrag einbrachte;unter den Zelten declamirte Arnold Rüge für eine Masscn-Dcmonstrationfür das bedrängte Wien, 29. Unter dem Aushängschilde einer Legionzur Hilfeleistung für Wien wurde eine förmliche Armee des Aufruhrsorganisirt, deren Netz über alle Stadttheile Berlins sich ansbrciten sollte;auch die Freischärler ans Schleswig-Holstein wurden einbezogen, Samm-lungen zur Ausrüstung eingelcitet; der Oberbefehl war dem Landwehr-mann Braß zngedacht. Am 31. kam im Schanspielhanse der AntragWaldeck's zur Berathung. Der ganze Gensdarmenplatz war mit eineraufgeregten Masse angefüllt, gegen welche die zum Schutze derVolksvertretung ausgerückte Bürgcrwehr kaum standhielt. Die maß-losesten Reden wurden gehalten, Stricke, woran die Deputirten derRechten „baumeln" sollten, an die Thüre des Gebäudes genagelt, an daseinzelne Strolche wiederholt Feuer zu legen versuchten. Als spät Abendsdas Ergebniß der Abstimmung, die gegen den Antrag Waldeck's aus-fiel, bekannt wurde, erreichte die Erbitterung der Menge den höchstenGrad. Zuletzt ermannte sich die Bürgerwehr und machte mit Gewaltetwas Luft. Doch hatten die heiinkchrcnden Abgeordneten Mühe genugdurch die wilden Hansen zu kommen; einige, die erkannt wurden, er-fuhren Schimpf, selbst Mißhandlung; den greisen Minister-PräsidentenPsuel nahm der linksseitige Abgeordnete Jung in Schutz und gewährteihm Obdach und Thec in seiner Wohnung.
Die Vorfälle am Abend des 31. October hatten das Maß voll ge-macht. Der bessere Theil der Bevölkerung war entrüstet und wurde csnoch mehr, als am nächsten Tage der Commandcur der Bürgerwchr,Kaufmann Rimpler, in einem Placatc fast Abbitte leistete, daß es durchein „Mißverständniß" zu einem Zusammenstöße mit dem Volke gekommensei. Man forderte laut die Reorganisirung des Corps; Viele traten ansund erklärten nicht früher die Waffen ergreifen zu wollen, bevor das nichtgeschehen sei. Von Seite der Regierung erschien ein Erlaß, vom MinisterEichmann unterzeichnet, daß künftig in allen Fällen, wo es der Bürger-wehr nicht möglich sei die Ordnung aufrecht zu halten, „der andere be-waffnete Theil des Volkes" einznschreitcn habe. Zu alle dem kam nunnoch, was für die Führer der Revolution der empfindlichste Schlag war'