Die Prager Pfingstwochc.
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waren. An Stelle Rudolph Stadion's, dem nach dem berühmten „ko6s-pss.1" („er hat's unterschrieben") am 31. März die Lnst am Wciter-rcgiercn verleidet war, hatte Leo Thun die Leitung der Geschäfte über-nommen, im Einklang mit dem in Prag tagenden National-Ausschnssedie Vorbereitungen znr Einberufung des neugcstaltctcn Landtages getroffenund jener des Slavcn-Congresscs kein Hinderniß in den Weg gelegt, alsdie Kunde von den Wiener Ereignissen am 15. bis 17. Mai Stadt undLand in die größte Aufregung versetzte. Der National-Ausschuß und derPrager Gcmcinderath schickten eine feierliche Deputation nach Inns-bruck. Auf die Nachricht von den Vorfällen am 26. umgab sich Thunim Einverständnisse mit dem Landcs-Cominandirendcn mit einem aussieben Vertrauensmännern des National-Ausschusscs gebildeten provisori-schen Statthaltcreirathc und entsandte Ricger und Albert Nostitz an daskaiserliche Hoflager um Genehmigung dieses Schrittes. Mittlerweilenahte der Eröffnungstag des Slaven-Congresses (2. Juni) heran, dieStraßen der Stadt füllten sich immer mehr mit erbetenen und nnerbctcncnGästen, revolutionäre Ansscndlinge schürten in den Massen und unterder Universitäts-Jugend, bis es am Pfingstmontag, 12. Juni, zum ge-waltsamen Losbrnch kam. Graf Thun, der sich in der Absicht zu be-schwichtigen furchtlos mitten in den Herd des Aufruhrs begab, wurdeauf der Straße ergriffen, im Clementinnm gefangen gehalten und mitdem Tode bedroht. Die Truppen waren bereits Herren des größtenTheiles der Stadt, Thun wieder freigcgebcn, als aus Wien, auf An-dringeu des Sichcrheitsausschnsses vom Ministerium gesandt, F. Z. Nt.Graf Meusdorf und Hofrath Ktecanskh erschienen, um eine Vermittlunganzubahnen, 13. bis 15. Erst als sich dieser Versuch als erfolgloshcrausstellte, gaben die Ministerialcommiffäre dem Fürsten Windischgrätzwieder freie Hand, 16., der nach einem kurzen Bombardement schonam nächsten Tage die Aufständischen zu unbedingter Unterwerfung brachte.
Das Wiener Ministerium ohne Halt und Kraft schien durch denSieg der rechtmäßigen Gewalt in Prag eher in Verlegenheit gesetzt, alsaus einer großen Verlegenheit gerissen zu sein, und nicht geringere Be-unruhigung bereitete ihm das Auftreten eines Mannes im Süden, deres, ohne Stütze der Regierung, verläugnet und verlassen selbst vom Hose,auf eigene Verantwortung unternahm, die Interessen der Gesammt-Monarchie gegen die Ränke der Einen und die Kurzsichtigkeit der Andernzu verfechten. Am 22. März, fast unmittelbar nach Bewilligung des